Wenn die Handys wieder klingeln – Sicherheit für Kundus

„Entwarnung? Dafür sei es zu früh“, erklärt Generalmajor Hans-Werner Fritz, Kommandeur des Regionalkommandos Nord in Afghanistan. Und doch deutet manches darauf hin, dass die Anstrengungen der internationalen Truppen, Isaf, und der afghanischen Sicherheitskräfte Früchte tragen. Die Provinz Kundus sei sicherer geworden, versichern die Bewohner. Es scheint, als hätten die Aufständischen in der Stadt und der Region an Einfluss verloren.

Boden gewonnen

Gul Rahim Niazman arbeitet am  Institut für Frieden – und Konfliktforschung. „In den letzten Wochen hat sich die Sicherheitslage in Kundus verbessert“, versichert der Wissenschaftler. Zum Beispiel Gultappa. Das Gebiet war bis vor kurzem eine Hochburg der Aufständischen. Nun offenbar die Wende. „Die nächtlichen Angriffe auf die Aufständischen haben zugenommen", sagt Gul Rahim Niazman."Sie können ihre Stellungen nicht halten." Die Zusammenarbeit zwischen afghanischer Polizei, den Deutschen, den Amerikaner und der Nationalarmee scheint also zumindest in diesem Fall erfolgreich gewesen zu sein.

Nachts telefonieren

Mehr Sicherheit – das spürt auch die Bevölkerung. Allerdings bringt sie das weniger mit militärischen Leistungen, sondern der wieder erworbenen Fähigkeit fernmündlicher Kommunikation in Zusammenhang. Saghar, eine Schülerin aus Kundus, freut sich: „Das Mobilfunknetz war lahmgelegt. Jetzt funktioniert es wieder.“ Erstaunlich viele Bewohner des armen Landes besitzen ein Handy. Doch im Frühjahr 2010 hatten die Taliban Druck auf die afghanischen Mobil-Netz-Anbieter ausgeübt, bis die tatsächlich eine Sperre verhängten. Die Folge: keine nächtlichen Telefonate im Raum Kundus. Mit der „Funkstille“ zwischen 6 bis 6 Uhr ist es vorbei. Mohammed Quadir ist begeistert: „Das zeigt den Erfolg der Regierung. Und den der Sicherheitskräfte. Die Menschen empfinden eine Besserung der Sicherheitslage.“

Hilfe aus der Bevölkerung

Im Frühjahr 2010 hatten die Isaf – Truppen mit ihrer Offensive in der Region begonnen. Viele Afghanen hätten die Soldaten unterstützt und auf Sprengfallen und mögliche Angriffe der Taliban hingewiesen, berichtet Generalmajor Fritz in einem Interview der FAZ. Und ergänzt, dass sich die Bevölkerung nach einem Ende der Gewalt und Sicherheit sehne. Genau darum ist für Mohammed Khan das gute Verhältnis zwischen Bevölkerung und Polizei in Kundus wichtig: „Das sind alles Jungs aus der Nachbarschaft hier in Chardarrah“, erklärt er stolz. „Die Aufständischen sind geflüchtet und hier hat jetzt die Polizei die Kontrolle. Wenn eine Gefahr droht, dann sind sie zur Stelle.“

Ohne Sicherheit kein Aufbau

Zum Beispiel Najibullah aus Chardarrah. Der Polizist lässt keinen Zweifel daran, dass er sich mit Taten und Worten zum Schutz der Bevölkerung eingesetzt. Gemeinsam mit den nationalen und internationalen Sicherheitskräften: „Die ISAF ist da, die afghanische Nationalarmee und dann gibt’s auch die Polizei – also uns. Ich verspreche den Menschen, dass die Taliban in kürzester Zeit  von hier vertrieben werden. Wir lassen es nicht zu, dass die Taliban hier bleiben.“

Neue Offensive?

Die Bevölkerung der Region wird das gern hören. Zur Strategie der Taliban gehört, dass sich niemand sicher fühlen soll. Um dann selbst die  „Beschützerrolle“ zu übernehmen – und sich die Dienste gut bezahlen zu lassen. Oder Gewalt anzuwenden. Gerade darum sehnt sich die Bevölkerung nach einem Ende der Auseinandersetzungen. Was noch dauern kann. Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung hat der Kommandeur des Regionalkommandos Nord eine weitere Großoffensive gegen die Taliban im Raum Kundus für Ende Januar angekündigt. Wenige Tage zuvor muss der Bundestag über eine Verlängerung des Afghanistan – Mandates der Bundeswehr entscheiden.

Januar 2011, in geänderter Form gesendet auf Deutsche Welle