Archiv: Integration

Vielfalt im Lehrerzimmer

      

Gerade mal 1 – 2 % aller Lehrer in Deutschland haben einen so genannten Migrationshintergrund. Das ist wenig – verglichen mit den Schülern. Jetzt hat die gemeinnützige Hertie Stiftung ein Förderprogramm für angehende Lehrer mit Migrationshintergrund gestartet. Ab 2010 dem kommenden Jahr in vier Bundesländern (Berlin, Hessen, Hamburg und ab 2010 NRW) werden Studenten, Referendare sowie Doktoranwärter gefördert.

Atmo 1 Gespräche, lachen, darauf

Im Seminarraum einer schmucken Hamburger Villa mit Blick auf die Elbe sitzen 10 Stipendiaten in einem Stuhlkreis. Vor ihnen auf dem Fußboden liegen an die 50 Postkarten mit unterschiedlichsten Motiven. Jeder Anwesende soll eine passende finden und sich damit den anderen vorstellen:

Mein Name ist Behnam Saliminia. Falls Sie sich wundern: Das ist ein persischer Name. Das „H“ wird auch ausgesprochen. Nur als „H“ nicht als „Che“, also nicht Bechnam… lachen

Auch die anderen kennen das Wirrwarr mit Namen und deren Aussprache. Sie heißen Maryam oder Laya, Thomas oder Zohal. Sie oder ihre Eltern kommen aus Peru, Ghana oder Afghanistan, aus Polen oder Kroatien. In ihrem noch jungen Leben haben sie schon einiges geleistet: Alle hatten keinen leichten Start in Deutschland, mussten zum Teil gegen Vorurteile, Sprachschwierigkeiten oder Selbstzweifel kämpfen. Alle haben trotzdem ihr Abi geschafft, oft mit hervorragenden Leistungen. Alle sind an der Uni, alle wollen Lehrer werden. Der 25 jährige Behnam studiert Deutsch und Sozialwissenschaften für Gymnasien:

…Und ich hab die Postkarte ausgewählt: Kann man im Weltraum rülpsen? (lachen) Antworten gibt es, wenn man ne SMS schickt. Warum habe ich das ausgewählt? Ich hoffe, dass das Gespräch mit den anderen halt nicht darauf hinaus läuft dass wir uns so Standardfragen stellen und dass vielleicht auch immer ein bisschen Spaß dabei ist.

Der Spaß ist fast garantiert. Denn das Stipendium ist für die jungen Leute, die nicht aus reichen Familien kommen, ein Segen. Zwischen 600 und 2000 Euro monatlich bekommen die zwischen 20 und 30jährigen von der Stiftung, um sich ganz auf das Studium konzentrieren zu können. Die Seminare sind dabei zusätzlich eine emotionale und seelische Hilfe. Vielleicht um gemeinsam neue Arbeitstechniken und Methoden kennen zu lernen. Oder die eigenen Stärken und Schwächen. Vor allem aber sollen die Stipendiaten sich persönliche Ziele setzen. Seminarleiterin Anna von Klencke von der Hertiestiftung formuliert es so:

Das Zielfindungsseminar heute soll ihnen helfen Ihre Fortbildungspotentiale zu erkennen. Die Fortbildungsschwerpunkte, die sie sich setzen, sollen selbstverständlich relevant für ihren späteren Beruf sein, das heißt das, was sie sich hier vornehmen, davon sollen sie dann später in der Schule auch profitieren können.

Mehrere in der Runde profitieren davon schon heute. Fast alle studieren nicht nur, sondern engagieren sich auch in ihrer Freizeit in der Bildung. Zum Beispiel Gloria Boateng. Die zierliche, gebürtige Ghanaerin kam als 10jährige nach Deutschland und wuchs bei Pfelegeeltern auf. Heute schreibt sie ihre Doktorarbeit:

Zum einen promoviere ich zum anderen bin ich gleichzeitig Tutorin für die Stipendiaten. Quasi Mittler zwischen der Stiftung und den Stipendiaten. Wir haben regelmäßig Austausch beim so genannten Jour fix, wo es eben darum geht, Erfahrungen auszutauschen, Input zu geben und zu gucken, wie entwickeln sich die Studenten und die Stipendiaten auf ihrem Weg. Ich bin da um zu betreuen, zu beraten.

Zu Behnam Saliminia hat Gloria ein besondereres Verhältnis. Den hat sie schon vor dem Stipendium kennen gelernt, an der Uni. Kurze Zeit später haben beide den Verein „Schlaufox“ gegründet. Die Mitarbeiter unterstützen Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Schulabschluss. Büffelt Behnam nicht gerade an der Uni, dann betreut er für „Schlaufox“ Schüler, die mit dem Lernen mehr Mühe haben als er. Gloria koordiniert die Arbeit. Und doch wissen nicht alle diese Unterstützung zu schätzen. Immer wieder fehlen Kinder bei den Nachhilfestunden:

Lass und mal ganz kurz besprechen wie der Stand der Dinge ist: Wir hatten ja die letzten Male die Schwierigkeit mit den Fehlzeiten. Das müssen wir angehen. Wir haben bald ‚ne Sitzung mit der Schule, mit dem Schulleiter. (Behnam) Ja, ich hab letzte Woche ja die Eltern der Schüler angerufen, die nicht anwesend waren, da hab ich erfahren, dass zwei Schüler wirklich krank waren wegen der Grippewelle, dass eine Schülerin an dem Tag angeblich anwesend war, also sie hat ihrer Mutter gesagt, dass sie anwesend war, aber wohl geschwänzt hat und bei der vierten Person – da wusste die Mutter einfach nix davon, dass der Schüler nicht da war.

Damit die Kinder ihren Abschluss schaffen, müssen Betreuer und Schulen, Lehrer sowie die Eltern an einem Strang ziehen. Dass dabei auch mehr Lehrer mit Migrationshintergrund gebraucht werden, wird von kaum einem Experten bestritten.

Gloria schreibt ihre Doktorarbeit über den Schulunterricht in kulturell bunt gemischten Klassen. Studien belegen, dass hier Lehrer mit Migrationshintergrund besonders erfolgreich sind:

Vielleicht trauen Lehrer oder Menschen mit Migrationshintergrund diesen Kindern mehr zu. Das ist das eine. Das andere ist, dass die natürlich irgendwo auch Vorbilder sind. Dass sie selber in der Rolle anders unterstützen können als deutsche Lehrer und deshalb die Kinder anders fördern können, noch mal alles aus ihnen raus kitzeln können.

Damit kann Behnam bald im Unterricht beginnen. Motiviert ist er:

Ich werde im 6. Semester, also im nächsten Semester ein Schulpraktikum haben über sechs Wochen. Und da werde ich meine praktische Erfahrung noch ein bisschen ausweiten können. Ich freu mich auf jeden Fall darauf. Ich freu mich sowieso immer mit Jugendlichen zu arbeiten. Ich glaub das wird ne sehr gute Zeit.

2009, in geänderter Fassung gesendet auf „Deutsche Welle“

Für Jugendliche ohne Schulabschluss zahlen alle

      

Jugendliche ohne Schulabschluss bekommen selten einen Ausbildungsplatz. Besonders Ausländer, aber auch Jugendliche mit Migrationshintergrund und deutsche aus so genannten „bildungsfernen Familien“ gelten dann als „schwer vermittelbar“. Doch das Abschieben aufs soziale Abstellgleis verursacht Kosten.

Ahmad Aman ist ein quirliger 26 jähriger, der vor wacher Intelligenz nur so übersprudelt. Vor 18 Jahren ist er mit seiner Familie aus Afghanistan geflohen. Er kam ohne Deutschkenntnisse in die vierte Klasse einer Grundschule. Mit 78 Fehlern war das erste Diktat ein Fiasko, aber:

„Ich war sehr glücklich weil ein damaliger Schüler 2 Fehler mehr hatte und das war schon (er lacht) gut für mich, also ich wurde dann nicht so ganz gedemütigt. Ich hatte dann die Empfehlung auf die Hauptschule zu gehen aber meine Eltern haben sich dagegen geweigert und dann habe ich freiwillig die vierte Klasse wiederholtso dass ich dann auf die Realschule gehen konnte.“

Mitterweile hat Ahmad studiert und arbeitet beim IMBSE in Moers, einem Bildungsträger, der benachteiligte Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund ohne Schulabschluss qualifiziert, damit sie einen Ausbildungsplatz bekommen. Ahmad möchte ihnen Vorbild sein. Er vermittelt Fachwissen, aber auch auch die so genannten soft skills. Hände aus den Taschen, Handy aus. Nicht zu vergessen: ein bisschen Optimismus. Die Botschaft ist klar: „Was ich geschafft habe könnt ihr auch“:

„Meine Aufgabe besteht auch in erster Linie darin, die Jungs dahin zu begleiten dass sie auch mit einem gestärkten Selbstwertgefühl und selbstbewusst in die Arbeitswelt hineingehen und sich auch nicht immer als Außenseiter sehen und sich nicht damit abfinden müssen Ausländer oder so genannte Ausländer zu sein – weil sie Chancen haben und auch das Potential haben.“

Kein Schulabschluss, keine Chance, kein Selbstwertgefühl – dieser Teufelskreis ergreift jugendliche Ausländer, Migranten und Deutsche aus so genannten bildungsfernen Familien gleichermaßen. Dabei ist psychologisch und gesellschaftlich jeder dieser Jugendlichen eine verschleuderte Chance. Gleiches betrifft die Wirtschaftlichkeit: Als Erwerbstätiger und Steuerzahler fällt er aus, ja verursacht sogar Kosten. Entweder als Sozialhilfeempfänger oder als Teilnehmer von Qualifizierungsmaßnahmen.

Um Jugendliche in Ausbildung zu bringen gibt Deutschland jährlich rund 5,6 Milliarden Euro aus, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft, IW Köln, errechnet. Dazu zählen zum Beispiel Berufsschulen, das Berufliche Grundbildungsjahr und andere Massnahmen. Mehr als eine halbe Millionen Jugendliche nehmen die Qualifizierung in Anspruch, pro Person und Jahr kostet das 10.000 Euro. Und doch sind die Ausgaben nötig und richtig, belegt die IW – Studie von 2008. Wenn die Integration ins Berufsleben gelingt, dann rentieren sich die Investitionen schnell. Wenn nicht, entgehen der Gesellschaft pro Person bis zu 480 000 Euro rechnet Michael Neumann von IW Köln vor:

„Jeder Jugendliche, den wir nicht in eine Ausbildung integrieren können, der keinen Berufsabschluss bekommt, kostet uns in seinem weiteren Leben in jedem folgenden Jahr etwa 12000 Euro, nur dass die über sein gesamtes restliches Erwerbsleben anfallen also im Zweifelsfall – wir gehen davon aus, ob des demographischen Wandels, dass wir in Zukunft bis 67 arbeiten müssen, vielleicht sogar länger, die wir arbeiten müssen, können das 40 Jahre sein, die dieser Jugendliche Jahr für Jahr 12.000 Euro weniger zur Wertschöpfung beiträgt bzw auf der anderen Seite Kosten der sozialen Sicherung in Anspruch nehmen muss, die sind da mit eingerechnet.“

Jugendliche die keinen Beruf haben werden zudem schneller kriminell und krank. Schulexperten wie der Soziologieprofessor Rainer Geißler sprechen darum von einer Zeitbombe. Aber möglicherweise kommt Deutschland mit einem blauen Auge davon. Weil die Gesellschaft immer älter wird braucht sie künftig auch die Jugendlichen, die heute als „Bildungsversager“ und „nicht ausbildungsreif“ gelten. Auch es lohn es sich, Energie und Geld in Jugendliche zu investieren, die heute noch als „hoffnungslose Fälle“ abgestempelt sind sagt Ahmad Aman:

„Ich denke Bildung ist, wie viele sagen „Humankapital“ und ist ein Stück Investition in die Zukunft. Was ja nicht nur für Migranten gut ist sondern in erster Linie für Deutschland. Denn wenn wir uns einstellen wollen auf die Zukunft und investieren wollen, dann muss man in Bildung investieren.“

Mai 2009, in veränderter Fassung gesendet auf „Deutsche Welle“

Die Eigentum-Frau: Zwangsehen in Deutschland

      

Wer in Deutschland eine Ehe erzwingt macht sich strafbar: Vergewaltigung, Nötigung, Menschenhandel – das sind Straftaten. Zwei Gesetzesinitiativen verfolgen jetzt das Ziel Zwangsehen ausdrücklich in den Strafkatalog aufzunehmen und Täter härter zu bestrafen.

Im Aschenbecher qualmt die fünfte Zigarette. Edda – so möchte die junge Türkin genannt werden, ist hin- und hergerissen. Einerseits will sie reden. Sich rächen, an den Menschen, die ihr das angetan haben. Allerdings bekommt sie kein Wort heraus. Es könnte ihren Ehemann, der nicht weiß, wo sie jetzt lebt, erneut auf sie aufmerksam machen.

Edda ist eine so genannte Importbraut. Mit 16 wurde sie von ihrer Familie in ihrem türkischen Heimatdorf zwangsverheiratet. Die Eltern, grenzenlos naiv, freuen sich, dass die Tochter vermeintlich eine gute Partie machen kann: Ein in Deutschland lebender Türke soll der Tochter alles bieten. Aber Edda hasst ihn von dem Moment, in dem sie ihn zum ersten Mal sieht.

Edda: „Ich war in Türkei und er will mit mir heiraten und er spricht mit meinen Eltern und dann meine Eltern spricht mich: Und natürlich habe ich gesagt, nein will ich nicht heiraten mit dieser Mann aber ist das alles schon fertig, wenn ich sage nein oder ja. Mein Vater war so böse er will mich bringen um, sagt immer so hab ich keine Chance.“

Zwangsehen gibt es nicht nur unter Muslimen. Sie sind weder verknüpft mit einer bestimmten Religion noch mit einer bestimmten Kultur. Eher schon mit der Überzeugung, dass Kinder Besitzstand der Eltern sind – ohne Recht auf eine eigene Meinung. Nicht mal bei der Wahl des Ehepartners. So wie bei Edda. Sie folgt in blindem Gehorsam der väterlichen Autorität. Ein anderer Weg bleibt dem Mädchen nicht, das von klein auf verprügelt wird.
So gesehen ist die Ehe mit dem Türken, dem sie nach Deutschland folgt eine Fortsetzung dessen, was sie ohnehin gewohnt ist. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, ohne jemanden zu kennen ist Edda ihrem Mann und seiner Familie allerdings noch schutzloser ausgeliefert als der eigenen früher. Natürlich erwägt sie, die Polizei zu verständigen:

Edda: „Ja, denke ich so, aber ich habe total Angst mit diesem Mann. Wenn ich hingehen, Polizei, macht er noch Schlimmeres. Er ist Kurde. Meine Nachbarin hat mir geholfen. Sie sieht mich immer…“
Freundin: „Mit blaue Augen.“
Edda:“ Sie hört meine Stimme immer – er schlagt mich, wie aber.
Ganz doll. Er schlagt mich und…
(sagt etwas auf türkisch, dann)
Freundin: „Vor der Haustür hat er sie immer rausgeschmissen.“

Weltweit ist die Mehrheit aller Eheschließungen, rund 60 Prozent, arrangiert, also von den Eltern angebahnt. Vor allen in ländlichen, agrarisch geprägten Regionen ist das noch immer üblich. Nicht üblich allerdings, dass Eltern Zwang ausüben auf die Heiratskandidaten und Gewalt anwenden. Eddas Schicksal ruft bei modernen Türkinnen ebenso viel Protest hervor wie bei deutschen Frauen oder Türkinnen, die in Deutschland geboren und selbstbewusst sind. Wie die 16 jährige Janan:

„Ich würde auf jeden Fall zum Jugendamt gehen, ich würde das niemals zulassen. Ich würde abhauen. Ich würde alles versuchen, zum Staat gehen. Ich meine, in Deutschland kann man überall hingehen und hier wird den Menschen geholfen, wenn sie Probleme haben.“

Edda hilft schließlich eine türkische Nachbarin. Sie fährt sie zum Frauenhaus – das vorläufige Ende ihrer Leiden. Worte für das Grauen findet Edda, wenn überhaupt, nur in ihrer Muttersprache, eine Freundin spricht sie für sie aus:

„Also sie meint, wenn sie den Schritt nicht gemacht hätte, da wegzukommen, da wär sie wahrscheinlich in diesem Moment nicht mehr am Leben gewesen.
Edda: „Ich habe mit meinen Eltern gesprochen: Scheiße, ich will nicht in Deutschland bleiben, wenn ich hierbleibe, er macht mir kaputt, bin ich tot so. Und meine Eltern sagen: nein, du kommst nicht nach Türkei zurück, Muss man da leben.“

Wie viele Zwangsheiraten jährlich in Deutschland geschlossen werden kann niemand sagen, Verlässliche Statistiken gibt es nicht. Von einer Dunkelziffer ist auszugehen, denn wie Edda sind die betroffenen Frauen nur selten bereit, die Täter anzuzeigen. Zu groß die Angst vor Verfolgung.
Statt Gesetze zu verschärfen wäre es zunächst wichtig, Mittel für die Anlaufstellen der Betroffenen, die Frauenhäuser und Beratungsstellen nicht weiter zu kürzen. Denn in diesem geschützten Räumen kommen die Frauen zur Besinnung und entwickeln Perspektiven für eine lebenswertere Zukunft. Die sieht auch Edda für sich:

„Praktikum. Ich will das Praktikum machen als Friseur. Und Gesundheit mit meinen Kindern. Guck ich vorne, nicht hinten, lachen, so weiterleben mit meinen Kindern.“

2006, in geänderter Fassung für „NDR“

Macho, Migrant, Bildungsverlierer?

      

„Bildungsverlierer“ – das war in den 60ger Jahren das katholische Mädchen vom Land. Heute wird das Etikett männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufgeklebt. Doch die Frage von Schuld und Verantwortung für das Versagen ist komplex.

Mehmet ist nicht zu bändigen. Der 14jährige Hamburger Gesamtschüler erzählt bei jeder Gelegenheit Blondinen – Witze,gern auch mehrmals. Seine Klassenkameradinnen sind genervt. Seine Lehrerin klagt über sein „Machoverhalten“. Mehmets Versetzung ist gefährdet, möglicherweise gar der Schulabschluss. Andreas Schiemann kennt solche Szenen. Er arbeitet in der Evangelischen Gesellschaft „EVA“, die Jugendliche ohne Schulabschluss für einen Beruf qualifiziert. Dort geht man mittlerweile andere Wege.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass in gemischten Klassen, wo Jungs und Mädels sind und eine Lehrerin, dass die Jungs da völlig abschalten. Dass da außer Spaß und Quatsch nichts kommt, sie auch nicht mitarbeiten und sich auch nicht trauen, sich am Unterricht zu beteiligen. Das mag daran liegen, dass, wenn sie was falsches sagen, die Mädels wohlmöglich lachen. Dann hatten wir‘s getrennt – ein Mathekurs für Mädels und ein Mathekurs für Jungs – und dann funktionierte es. Die Jungs haben auch einen Lehrer bekommen und dann auch mitgearbeitet und konnten die Hilfe annehmen.“

Kaspereien, Provokationen, ein scheinbar aufgeblasenes Ego, das Schwächen verbirgt – das ist allen Jungen – gleich welcher Nationalität oder Herkunft – in der Pubertät gemeinsam. Allerdings wird „Männlichkeit“ von Kultur anderes definiert. Und von Jungs individuell „geübt“.Das komme für Migranten erschwerend hinzu, glaubt der Psychologe Ahmet Kimil vom Ethomedizinischen Zentrum Hannover.

„Männer in traditionellen Gesellschaften verkörpern Stärke, müssen stark sein, müssen ihre Familien ernähren. Für die erste Generation gab es ja in den Fabriken viele Möglichkeiten wo sie auch ohne Bildung arbeiten konnten, ihre Familien ernähren konnten etwas aufbauen konnten. Und für die zweite, dritte Generation, die im Bildungssystem eventuell auch gescheitert sind, für die gibt es natürlich das Problem, dass sie auch ihre Rolle in der Gesellschaft nicht finden. Dann kommen Gefühle von Wut, Ärger, von „Nicht dazu zu gehören“, auch eine Form von Entfremdung und dann kann man beobachten, das solche Jugendliche eher zu Gewalt neigen oder zu Drogen greifen oder andere Probleme bekommen, auch psychischer Art.“

Marita Bell arbeitet an einer Hauptschule in Niedersachsen. Sie versucht auf unterschiedliche Art, ihre Schüler zu disziplinieren: Grenzen zu setzen. Konsequent „nein“ sagen, Worte in Taten umsetzten.

„Noch besser wird es manchmal, wenn ich die Väter mit reinkriege. Manche Väter muss man drei, viermal in die Schule bestellen, bis sie widerwillig herkommen – aber wenn die merken, gerade die Jungen, dass ich versuche mit dem Vater zu arbeiten, dann ist zumindest äußerlich zeitweilig eine Veränderung zu sehen.“

Manchmal reicht nicht mal die Autorität der Väter. Wenn Söhne mit Migrationshintergrund ihre Väter als schwach erleben, wenn sie – aus deren Sicht – „kriechen“ vor den Ansprüchen der Mehrheitsgesellschaft, dann bleibt der Respekt oft auf der Strecke. Eben darum sei es wichtig, dass Jungen mit Migrationshintergrund auch außerhalb der Familie männliche Vorbilder und Chancen hätten. Frustration sei auf Dauer gefährlich sagt der Psychologe Kimil.

„Ich persönlich habe in meiner eigenen Biographie das erlebt: Ich musste gegen bestimmte Vorurteile in meiner eigenen Familie ankämpfen, das war für mich die größte Aufgabe. Auf der anderen Seite musste ich manchmal auch Vorurteile auf Seiten der Schule aufarbeiten. Man muss wirklich bei den Jugendlichen ansetzen und gucken: Was hat der wirklich für Ressourcen? Man muss ihnen das Gefühl geben, das sie nicht allein sind, auf der anderen Seite muss man ihnen klar machen, dass sie selber über den Platz in dieser Gesellschaft bestimmen.“

Deutsche Welle, in geänderter Fassung Mai 2009

Männlich, Migrant, Schulversager?

      

Jungen gelten als „Verlierer“ im deutschen Bildungssystem. Im Schnitt sind ihre Noten schlechter als die der Mädchen. Sie schaffen seltener einen Abschluss. Innerhalb der „Problemgruppe Jungen“ gelten männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund als besonders schwierige Fälle.

Gökhan Tezgel war ein durchschnittlicher bis guter Schüler. Das Chaos begann mit seiner Pubertät, erinnert er sich:

„Dann hatte ich immer noch einen guten Notendurchschnitt nach der 6. Klasse, habe aber eine Hauptschulempfehlung bekommen von meiner Lehrerin, sie meinte halt aus pädagogischen Gründen, was eigentlich auch totaler Schwachsinn war, ich bin aber trotzdem zur Realschule gegangen, habe das trotzdem konsequent ein Jahr durchgezogen, wo meine Noten dann auch sehr gut waren. Danach hatte ich etwas Probleme mit mir, mit meiner Selbstfindung und ähnliches, dann bin ich sitzengeblieben.“

Hauptschule, Schulverweis, eine andere Hauptschule. Gökhan scheint abzurutschen. Plötzlich der Wendepunkt: Er fängt sich, schafft den Abschluss, einen weiteren an der Realschule, schließt eine Ausbildung ab. Nun, als 20 jähriger, drückt er erneut die Schulbank: Ziel Abitur. Seine Mutter Ayse sagt rückblickend:

„Das hat mit 7.Klasse angefangen. Das ist ja genau die pubertärende Alter. Und das war auch Gökhans Worte wo er gesagt hatte: Bei den anderen machen die Lehrer die Augen zu. Und bei mir machen sie beide Augen auf. Sie warten drauf dass ich irgendwas mache und dann: Siehst Du, in diesen Rahmen passt Du rein!“

Vorurteile der Lehrer, eine strukturelle Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem, Eltern, die ihren Jungen keine Grenzen setzen, pubertierende Jugendliche, die aufbegehren und den Unterricht torpedieren – die Forschung nach Ursachen ergibt einen Strauß unterschiedlicher Problemlagen, Einzelfälle liefern kaum allgemein gültige Erklärungsmuster. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind üblich, führen aber nur zu Machtkämpfen. Dabei tragen zumeist alle ihren Teil zur Entwicklung bei. Im Fall der Schulen und Lehrer ist es zum Beispiel die Unfähigkeit, angemessen auf die Probleme der Jugendlichen einzugehen, ja sie überhaupt wahrzunehmen, sagt der Schulexperte und Siegener Soziologieprofessor Reiner Geißler und zitiert Ergebnisse der Pisa – Studie:

Bei Pisa wurde gefragt, die Schüler wurden gefragt: Fühlen Sie sich von ihren Lehrern unterstützt, wenn sie Hilfe brauchen? Und die erste Pisa Studie hat gezeigt: von den 29 OECD Ländern war Deutschland dasjenige, wo sich die Schüler am wenigsten unterstützt fühlten.“

Den Befund lastet Geißler nicht pauschal den Lehrern an Vielmehr fehle in Deutschland noch „eine Kultur des Förderns“. Das deutsche Schulsystem setze generell zu stark auf Selektion – die Auslese vermeintlich schlechter Schüler angelegt. Problemschüler werden so gewissermaßen „nach unten durchgereicht“: Vom Gymnasium, zur Real- zur Hauptschule. Zudem legen wissenschaftliche Befunde nahe, dass Lehrer dabei häufig nicht Leistungen, sondern das Verhalten der Schüler oder ihre Herkunft mit benoten. Gleichzeitig gibt es Jugendliche, die schlechte Noten und Unsicherheit mit einem Übermaß an Macho-Gehabe überspielen und als ständige Störer oder provokante Paschas ihr Umfeld zur Verzweiflung bringen. Die Lehrer wiederum reagieren, indem sie Vorurteile gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufbauen, kultivieren und die Probleme unreflektiert „der anderen Kultur“ in die Schuhe schieben statt sie als mehr oder minder normale „pubertäre Ausfälle“ zu begreifen:

„Auf der anderen Seite haben wir auch eine Diskriminierung , ich nenn das mal so, es ist ein bisschen scharf formuliert, die in den Schulen stattfindet. Leistungsfähigkeit von Migrantenkindern und auch Leistungen von Migrantenkindern werden nicht so gewürdigt, wie bei einheimischen Kindern, und das ist Diskriminierung. Sie werden nicht richtig gefördert und nicht richtig gewürdigt.“

Viele Schulen haben mittlerweile einen Weg beschritten der zukunftsweisend scheint: Mit Elternabenden, Elterninitiativen, Eltern-Arbeitskreisen werden vor allem die Mütter stärker in der Schule eingebunden. Bei Vätern – von Kindern mit Migrationshintergrund, aber nicht nur – ist das offensichtlich schwerer. Sie scheinen sich nicht, oder noch nicht für die Schulkarriere ihrer Kinder zu interessieren. Wo es gelingt und Eltern und Schule nicht gegen- sondern miteinander arbeiten – zum Wohl der Kinder nämlich- ist eine Lösung der Probleme in greifbarer Nähe.

März 2009, veränderte Fassung gesendet auf „Deutsche Welle“

Kinder erklären das islamische Opferfest

      

In vielen Ländern begehen Moslems in diesen Tagen (ab 15.Oktober in 2004 ) das islamische Opferfest. Heute zum Beispiel haben die Kinder in Jordanien und Saudi-Arabien schulfrei. Dort wird das Opferfest gleich mehrere Tage gefeiert,  für Moslems ist es in etwa so wichtig wie Weihnachten für uns. Die Gläubigen besuchen sich und schenken sich auch was. Aber das wirklich besondere am Opferfest ist das Schlachten.

Geräusch:  Schafblöcken

In Ländern, in denen die Mehrheit der Menschen Moslems sind, geht es den Schafen in diesen Tagen an den Kragen. Kurz vor dem Fest kauft jede Familie ein Tier und tötet es. Schächten nennt man diese besondere Art des Schlachtens, die von der Religion genau vorgeschrieben ist. Dabei werden die Tiere ohne Betäubung getötet. In Deutschland dürfen das nur speziell ausgebildete Metzger machen. Der Schlachter Yussuf Günel  weiß, wie es geht:

Nach dem Islam, unserem Prophet Mohammed  so wird das geschlachtet: Den Kopf nach Osten nach Mekka sozusagen und danach schneidet man. Messer an Hals und sagt Bismillah allah u akbar.“

Im Namen Gottes, Gott  ist groß, heißt das. Dabei muss der Kopf des Schafes in Richtung der Stadt Mekka zeigen. Dort hat der Prophet Mohammed gelebt, den die Moslems sehr verehren.Wo genau das Schaf  geschlachtet werden soll, darüber sagt die Religion nichts.

In Deutschland leben etwa 4 Millionen Moslems und manche von denen lassen einfach in ihren Heimatländern schlachten. Eben darum weiß Kilian Altintosh auch nichts über das Opferfest:

Kilian:

Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll.

Kilians Vater:

„Das ist meine Schuld ich hab ihm solche Sachen nicht beigebracht. Aber langsam ist es Zeit, dass er das lernen muss. Hier großartig feiern wir auch nicht. Meistes Geld schicken wir in die Türkei, unsere Eltern schlachten da für uns ein Lamm – das wars.“

Da kennt sich  Leila schon ein bißchen besser aus. Ihre Familie hat in Hamburg ein Schaf gekauft und bereits abgeholt – vom Schlachthof:

Leila:

„Zum Beispiel mein Bruder war letztens da und er hat es erzählt: Da war ein lebendiges Lamm und die haben einfach so den Kopf abgeschlachtet. Und die sagen auch ein Wort dafür: Bismillah und danach schlachten sie ihn. Es werden ganz viele Tiere geschlachtet und das tut mir sehr leid.“

Ute H.:

Leila, Schenua  und viele andere Kinder, die in Deutschland geboren sind finden das Schlachten von Tieren am Opferfest nicht gerade toll – auch wenn sie Muslima sind. Aber das Fest selbst mögen sie:

„Also unsere Väter, die schlachten ein Lamm und (andere) den essen wir dann später und braten wir ja, und dann braten wir ich glaub die müssen auch noch zur Moschee gehen und beten und dann kommen die nach Hause und danach müssen wir jüngere Leute immer zu den Älteren Leuten hingehen und danken und müssen dort auch essen.“

Das Fleisch des geschlachteten Schafs wird immer zusammen mit Verwandten verspeist. Oder auch an Arme verschenkt. In Erinnerung an eine Geschichte, die es im heiligen Buch derMoslems, dem Koran,  gibt. Es ist die Geschichte von  Ibrahim , wie Gökhan in der Moschee erzählt bekommen hat:

„Dieser Ibrahim – er wollte einen Sohn. Aber seine Frau – sie konnten keine Kinder zeugen. Darum hat er sich von Gott einen Sohn gewünscht sag ich mal. Dann ist er gekommen, aberGott meinte: Wenn ich sag Du sollst ihn töten, dann wirst Du ihn auch opfern.“

Ibrahim hatte zwei Söhne, Ismail und Isaak. Eines Tages kam ein Engel zu Ibrahim und befahl ihm, seinen Sohn Ismail zu töten. Ibrahim war sehr traurig, dennoch wollte er Gott gehorchen. Doch als er zum Messer griff, hörte er eine Stimme: „Töte Deinen Sohn nicht.“ Da wurde Ibrahim sehr froh, dass sein Sohn gerettet war und er verstand, dass es nur eine Prüfung seines Glaubens gewesen war.

Görkhan:

Dann hat Gott ihm eine Ziege oder Schaf geschickt und dann hat er den geopfert – und seitdem opfern wir auch.“

Ibrahim gibt es übrigens nicht nur bei den Moslems sondern auch bei den Christen. Bei uns heißt er nämlich Abraham. Abraham ist für alle Religionen wichtig, die an einen Gott glauben: Moslems, Juden und Christen. Und auch, wenn die Geschichte zunächst ein bißchen gruselig klingt hat sie doch eine sehr freundliche Bedeutung: Es ist nicht notwendig, im Namen Gottes Blut unter Menschen zu vergießen. Wer statt dessen etwas hergibt von seinemHab und Gut, und seinen Reichtum mit anderen teilt, zum Beispiel ein Schaf, der kann sich Gottes Wohlwollen sicher sein. Sei er nun Jude. Christ oder Moslem.

Oktober 2004, in geänderter Fassung für D-Radio , Kultur, Kakadu

Lehrstunde in Toleranz – der Religionsunterricht für alle

      

Mit seinem „Religionsunterricht für alle“ geht das Bundesland Hamburg einen einmaligen Weg geht. Rechtlich verantwortet die Evangelische Kirche das Modell. Bei den Inhalten aberhaben Imame, Rabbiner, buddhistische Mönche und Christen an einem Strang gezogen. Die Schüler profitieren.

Der Kursraum „12“ des Gymnasiums Kirchdorf-Wilhelmsburg erinnert eher an eine Begegnungsstätte. Die 16 Schüler des Religions-Leistungskurses sitzen im Stuhlkreis, die Fenster sind mit bunten, abstrakten Glasmalereien geschmückt. Sie symbolisieren den gemeinsamen Ursprung aller Religionen. Hammad, ein Moslem indisch-pakistanischer Herkunft und die 18jährige Özlem, deren Eltern aus der Türkei stammen, fühlen sich hier wohl:

Hammad: "Was sofort auffällt: Dass es verschiedene Gegenstände gibt von allen Weltreligionen. Sei es vom Islam der Gebetsteppich oder dann gibt es noch die verschiedenen Symbole …".Özlem: "Die Glaubensbekenntnisse stehen an der Wand und da sind die verschiedenen Symbole, die unsere Religionen vertreten: Wie halt Davidsstern oder bei uns im Islam, auf arabisch geschrieben „Gott“."

Dennoch ist der Leistungs- kein interreligiöser Schmusekurs. Das zeigen die ersten Minuten der Sschulstunde. Rana protestiert lautstark. Ein Gebetsteppich liegt offen in der Mitte des Raumes:

„ Man sagt, dass der Teufel dann drauf steht. Lehrer: "Der Teufel betet auf dem oder stellt sich auf den Gebetsteppich rauf? Hey Veysel, Du bist auch Muslim – was hast Du dazu gehört?" Veysel: "Also ich kenne es so, dass es Tradition ist. Der Teufel würde sowieso nicht beten (Schülerin ruft etwas dazwischen) Zeig mir mal die Quelle, wer das gesagt hat. Dann musst Du in der ganzen Moschee die Teppiche rausschleppen, krrrr (Schüler rufen durcheinander)

Differenzen wie diese empfindet die Mehrheit der Schüler als belebend oder gar befreiend. Wie groß die Unterschiede in Meinungs- und Glaubensfragen sind erfahren sie in und außerhalb der Schule tagtäglich im multiethischen Wilhelmsburg. Im „Religionsunterricht für alle“ können sie thematisiert werden. Zum Beispiel Mareike, die Neu-Apostolikerin ist:

"Wenn man nur in einer Religion Unterricht hat, hat man keine verschiedenen Meinungen , die aufeinander treffen können. Das heißt: Man kann nicht diskutieren, man kann sich nicht austauschen, man sieht alles gleich. Deshalb finde ich unseren Religionsunterricht echt gut."

Der Stundenplan steht gerade das Leben Jesu. Noch mehr Diskussionsstoff. Für die Neuapostoliker steht die Wiederkunft von Gottes Sohn bevor, für Muslime ist diese Vorstellung schlicht absurd. Wie also formuliert man religiöse Standpunkte und vertritt sie, wenn sie denen der anderen widersprechen? Für Melanie, die gar nicht an Gott glaubt, ist die Sache klar:

"Ich hab den Leistungskurs gewählt, weil mich Religion interessiert und ich es interessant finde, zu sehen wie religiöse Menschen halt anders mit ihrem Leben umgehen wie ich. Ich finde es interessant, andere Horizonte zu sehen und meinen Standpunkt zu erweitern und toleranter zu werden. Besonders wenn ich mit Özlem diskutiere, weil sie genau das andere Extrem ist. Also ich bin extrem ungläubig und sie ist meiner Meinung nach extrem gläubig. Das bringt immer Spaß. Gerade mit ihr." Özlem: "Es ist schon so dass Melanie und ich öfter in Diskussion geraten. Ich bin auch der Meinung, dass der Koran Gottes Worte sind und das vertrete ich dann auch hier. Viele haben auch Vorurteile gegen meine Religion und überhaupt: "Das ist ne Türkin". Hier kann ich offen sprechen. Wenn einer sagt, dass Muslime Terroristen sind – hier habe ich eine Gelegenheit meine Meinung zu vertreten.

Für Religionslehrer Andraes Gloy sind die Schulstunden eine willkommene Herausforderung. Wissensvermittlung über alle Religionen und Reflexionen über Glaubensinhalte sind das Ziel, aber es gibt kaum Unterrichtsmaterialien. Daneben berühren die Diskussionen – zum Teil ganz ungeplant – auch immer aktuelle Fragen:

05 Das könnte Sterbehilfe sein, Abtreibung, war Jesu Tod umsonst? Wie verhalten wir uns zu der Frage der Gewalt in der Politik? Da gibt es in „Religion“, das ja ein gesellschaftswissenschaftliches Fach ist, sehr sehr viele Möglichkeiten, wo man auch von Gesprächsthemen aus zurückgehen kann und sagen: darüber müssen wir uns noch mal informieren. Dazu gehen wir mal in eine Moschee, dazu rufen wir noch mal den Pastor an und fragen nach und lernen so auch Sachwissen dazu, dass wir uns an Themen orientieren.

Seit Jahren hat es am Gymnasium Kirchdorf Wilhelmsburg keine Abmeldung vom Religionsunterricht gegeben. Religion muss also nicht zwangsläufig zum Zankapfel werden wenn Schüler, Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen. 2009, in veränderter Form gesendet auf "Deutsche Welle"

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