Archiv: Religion

So geht Frieden – das jüdisch-arabische Projekt „Shared Communities“

      

Gemeinden abseits der großen Metropolen haben nahezu überall auf der Welt die gleichen Probleme: Es fehlen Zufahrtsstraßen, die Anbindung an moderne Kommunikationsnetze, Zugänge zum Arbeitsmarkt, Einfluss im politischen Spiel der Kräfte. Stattdessen:  Schulden, Abwanderung. Lösungen bietet das Programm „Shared Communities“ einer  israelischen Friedens- und Bildungseinrichtung. Sie heißt „Givat Haviva“ und bringt – ausgerechnet – jüdische und arabische Gemeinden im Kernland von Israel in Kontakt.

Friedensarbeit jenseits medialer Schlagzeilen

Was angesichts der schlechten Nachrichten aus dem Nahen Osten klingt wie Phantasterei ist ein kleines Wunder mit großem „Mehrwert“. Normalerweise sprechen Juden und arabische Israelis, die immerhin 20 % der israelischen Bevölkerung ausmachen, wenig bis gar nicht miteinander. Im Projekt „Shared Communities“ kooperieren sie. Und die Besiegelung dieser Kooperation ist häufig der Beginn eines erstaunlichen Annäherungsprozesses auf vielen Ebenen.

Aus „Feind“ wird Experte, dann Partner 

Arbeiten Bürger und Verwaltungen jüdischer und arabischer Gemeinden länger miteinander, dann, so stellen die Mitarbeiter von Givat Haviva fest, beginnen die Feindbilder sich aufzulösen. Gemeindemitarbeiter begreifen sich gegenseitig als „Fachleute“ eines Aufgabengebiets, später sogar als Partner mit gemeinsamen Zielen und nicht mehr als „Jude“ oder „Araber“. Der psychologische Gewinn zieht weitere nach sich.

Von Andersartigkeit lernen 

Für die arabischen Gemeinden ist es ein großer Schritt, ihre Verwaltungen auf höherer Ebene für Frauen zu öffnen, etwas, das im jüdischen Sektor schon lange Normalität ist. Das hat direkte Auswirkungen im sozialen Umfeld, am offensichtlichsten in den Familien. Im jüdischen Sektor verwaltet die städtische Jugendpflege häufig die Jugendarbeit statt sie zu beleben. Hier sind die Araber viel weiter: Deren Sozialarbeiter sind viel mehr „auf der Straße“, können Jugendliche wie Erwachsene viel schneller für Projekte mobilisieren. Die Juden müssen sich das oftmals erst aneignen.

Begegnung bringt Bewegung

„Der Ertrag der Kooperation zeigt sich ganz handfest“, berichtet Torsten Reibold von Givat Haviva Deutschland und nennt konkrete Beispiele:„Die arabische Gemeinde Kfar Kara verzeichnet seit Beginn des Projektes einen steten Anstieg von jüdischen Besuchern, die zum Einkaufen oder Essen kommen. Zuvor haben sich viele Juden aus der Gegend nicht mal getraut, dort einen Reifen zu wechseln. In Pardes Hanna, also auf jüdischer Seite, stieg die Nachfrage nach Arabischkursen rasant.“

Konfliktfähigkeit stärkt die Partnerschaft

Das arabische Baqa El-Gharbiya und die jüdische Gemeinde Menashe wollen nun ein gemeinsames Raumplanungs-Projekt besiegeln, berichtet Reibold. Es soll Streitereien um knappe Gemeindeflächen beilegen, bevor sie entstehen und sich die Beteiligten vor Gericht wieder sehen. Das ist einzigartig für jüdisch-arabische Verhältnisse.  Solche „low-level-Lösungen“ von Konflikten stärken nachweislich die Partnerschaft. Die wiederum den Gemeinsinn wachsen lässt. So möchten sich jetzt mehrere Gemeinden zu einem Abfall- und Abwasserverband zusammentun.  Die Frage, wer jüdisch oder arabisch ist haben sie in diesem Stadium schon fast vergessen.

Effekte und Erkenntnisse für andere Konfliktregionen? 

Könnte das überall so funktionieren? Unabhängig davon, in welchem Land Menschen leben?  Givat Haviva möchte das jetzt zusammen mit der Robert-Bosch-Stiftung ausprobieren. Die Stiftung hat Know How in der Zivilen Konfliktbearbeitung auf dem Balkan gesammelt. Vielleicht, so hoffen beide Einrichtungen, könnten manche Effekte von „Shared Communities“ übertragbar sein.

Optimismus mit Vorsicht

Schablonenlösungen wird und kann es sicher niemals geben. Dafür sind Menschen und Kulturräume zu unterschiedlich. Doch wenn erfolgreiche Projekte von Fachleuten angepasst werden auf die jeweilige Region wäre das ein lohnenswertes Modell für zivile Konfliktlösung. Und ein Lichtblick inmitten von Krisen.

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http://www.Givat-Haviva.de

 

Hoffen auf Wunder – die Blaue Moschee in Afghanistan

      

Eine der bekanntesten Pilgerstätten der muslimischen Welt ist die Blaue Moschee in Afghanistan. Vor gut 500 Jahren wurde sie in Mazar-i-Scharif gebaut. Ali, der Schwiegersohn und Vetter Mohammeds, soll hier begraben sein. Belegbar ist das nicht. Aber nach 30 Jahren Krieg sind in Afghanistan vor allem Wunder- und Heilsgeschichten gefragt.

Das Wunder des „Schuh-Depots“

Mit stoischer Ruhe nimmt der Mann am Eingang das Schuhwerk der Besucher entgegen. Ein prüfender Blick, dann verstaut er die Paare sorgsam in Bienenwaben gleichenden Fächern eines hohen Regals hinter sich. Manche Besucher erhalten eine Nummer als Beleg, andere nicht. Wie er bei diesem System den Überblick behalten kann über die Besitzverhältnisse von Trekkingmodellen, Sandalen und Plastiklatschen bei täglich Hunderten von Pilgern, Gläubigen und Touristen ist sein Geheimnis. Und das erste, ganz und gar irdische Wunder rund um die Blaue Moschee.

Weltliches hinter sich lassen

Kenner haben Woll-Socken in der Tasche. An Sommertagen heizen sich die weißen Marmorplatten auf dem Moscheeplatz auf – Temperaturen, die über der durchschnittlichen Schmerzgrenze barfüßiger Europäer liegen. Blessuren läßt der erste, unverstellte Blick auf das prachtvolle Gotteshaus vergessen. Jedes Minarett, jede Wand ist von Tausenden Kacheln in unterschiedlichen Blautönen durchzogen. Ihre individuelle Ornamentik strukturiert die Fassade, betont aber zugleich den optischen Eindruck von Einheit.

In Nischen drängen sich Frauen in türkis-blauen Burkas an der Moschee-Wand – auf dass Ali ihre Gebete erhöre. Den Sunniten gilt er als vierter Kalif, für die Schiiten und Aleviten ist er der erste Imam. Stirn oder Hände an die Kacheln gelegt, murmeln die Frauen, weinen, fassen Sehnsüchte, Wünsche, Träume in Worte. Ein Bild frommer Hingabe: „Das hat eine große Bedeutung für ganz Afghanistan, immer in Frühlingsanfang in Nouruz sind Tausende von Leuten hier, da ist monatelang immer alles vorbereitet und es ist ein Pilgerort. Nouruz ist Frühlingsanfang, der Tag als Ali auch an der Macht gekommen war und Nouruz ist auch eine Tradition überhaupt gewesen in Balkh, die Arier, für Muslime aus aller Welt und Afghanistan sehr bedeutungsvoll.“

Der Geschichtenerzähler

Einmal in der Rolle des Geschichtenerzählers ist Zaher Mohsenyar, Mitarbeiter von DED und GTZ in Afghanistan, kaum zu bremsen: „Ich werde Euch ein bisschen über Ariana erzählen und die Arier, die hier waren. Normalerweise haben die in den Bergen von Hindukusch, Pamir und Halbos, diese Gebirge was ihr seht, gelebt und so langsam wurden sie größer. Und da war ein alter weiser großer Mann bei denen und diese große Menge Leute dabei und dann sind sie über Balkh gekommen und haben gesagt: So, hier leben wir.“

Arier, Ali und ein kollektiver Traum

Aus den vielen, verwirrenden Legenden über den Volksstamm der Arier, manchmal auch Baktier genannt, die sich vor etwa 5000 Jahren in der Provinz Balkh ansiedelten, über die Entstehung von Mazar-i-Sharif, was persisch ist und „„Grabmal des Heiligen“ heißt sowie die zahllosen Kriege und Konflikte, die dieser Landstrich erlebt hat, lässt sich kaum ein klares Bild herausfiltern. Erst recht nicht auf welchen Wegen der Leichnam Alis den Weg an diesen Ort gefunden hat: dass sein Grab in Vergessenheit geraten ist und auf seltsame Weise wiederentdeckt wurde, als vierhundert Menschen auf einen Schlag in einer Nacht den selben Traum hatten, in dem Ali sie auffordert: “Ich bin hier – kümmert Euch um mich.“ So wurde sein Grab entdeckt und eine Moschee darüber gebaut.

„Andere Überlieferungen sagen, dieser König hatte seine Leute geschickt, haben sie gegraben, erstmal Gebäude mit Kuppel und silberner Tür – und dann haben sie aufgemacht , Sarg gefunden mit Schrift: Hier ruht Ali, der Löwe von Gott und auch sein Schwert war da.“

Ein spiritueller Knotenpunkt

Bis heute wird unter Experten diskutiert, wen die sterblichen Überreste in der Blauen Moschee wirklich verbergen. Manche nehmen an, dass nicht Ali, sondern vielmehr der alt-iranische Priester Zarathustra hier begraben wurde. In jedem Fall scheint das Fleckchen Erde, auf dem heute die Moschee steht, schon seit den Zeiten der Arier mythisch verklärt gewesen zu sein, meint Zaher:

„Die haben eine Tradition gehabt, so ein Falke und haben gesagt wir lassen diese Falke los- wo der sitzt bei dem, der wird König. Und der Falke geht und sitzt bei einem jungen Mann, der heißt Jamar und der wurde König.“

Ein Ort, an den sich ein Strauß von Mythen knüpft ist prädestiniert auch für religiös motivierte Wunder. Im Laufe eines Jahres besuchen rund eine Millionen Menschen die Blaue Moschee:

„Die sind zum Pilgern gekommen. Die sitzen und beten und wünschen sich was. Vielleicht wollen sie einen Jungen, einen Sohn haben oder vielleicht haben sie Wünsche. Und dann kommen auch viele Kranke, die Heil suchen, viele sagen auch, viele Schwerkranke werden hier wieder heiler.“

Pilgern zum „Prinzip Hoffnung“

„Ich bin müde. Ich bin hergekommen, damit mein Gott meine Wünsche erfüllt“. Die Pilgerin, die eben noch neugierig die Gruppe Fremder gemustert hat, bricht wie auf Knopfdruck in Tränen aus, zieht sich die Enden ihres bunten Kopftuchs über das Gesicht. „Ich habe niemanden außer Gott. Und ich komme wegen Ali.“ So wie sie dann vom Vetter Mohammeds spricht, könnte man meinen, er sei ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und das verkörperte „Prinzip Hoffnung“: „Was du dir von ihm wünscht, das kriegst Du erfüllt.“

Die Blaue Moschee ist nicht nur ein Platz der Frömmigkeit sondern Begegnungsstätte, Treffpunkt für Familien und die Jugend. Michael Gruber, Direktor der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Afghanistan, kennt das Land und die Blaue Moschee seit Jahren:

„Angeblich ist das der einzige Platz in Afghanistan wo sich Jungen und Mädchen….nicht treffen, aber versuchen anzubandeln um zumindest Telefonnummern auszutauschen. Was hier natürlich schon skandalös ist. Das wird immer erzählt. Das Land ist ja voller Geschichten, voll interessanter Geschichten.“

Samim gehört zu dieser jungen Generation. Er müsste wissen, ob man heimlich Mädchen ansprechen kann an der Blauen Moschee. Stattdessen erzählt der 20 jährige vom Krieg, der Flucht nach Pakistan, der Rückkehr nach Afghanistan. Den Aufenthalt in Kabul haben Samims Eltern verboten. Zu gefährlich. Aber Mazar sei okay, um Geld zu verdienen. Dank der schützenden Blauen Moschee:

„Die Moschee ist ein machtvoller Ort, sie ist gut für alles. Seit Jahren, 30, 40, 50 Jahren ist Krieg in Afghanistan und in allen Provinzen. Aber in Balkh, in Mazar-i-Sharif war davon nicht viel zu spüren. Die Leute glauben, dass die Moschee sie geschützt hat.“

Ganz falsch ist das offenbar nicht. Kein Aufständischer, kein Mudschaheddin könnte es wagen, das Heiligtum zu beschießen oder ein Feuergefecht in ihrer Nähe anzufangen, erklärt ein deutscher Polizist. Vermutlich würde ihn der Zorn aller Kriegsparteien, aller Volksgruppen wie Usbeken, Tadschiken, Hazara des Nordens ebenso treffen wie der aller Konfessionen. Ein seltenes Stück Einigkeit in Afghanistan.


September 2010,
in geänderter Form gesendet auf DLR

Zwischen Disko und Moschee

      

Eine Bertelsmann Studie bescheinigte Muslimen in Deutschland jüngst eine zunehmende Hinwendung zu ihrer Religion. Beleg für eine Islamisierung? Nein, sagen zwei Rostocker Wissenschaftler. Was sich statistisch als einheitlicher Trend darstellt entpuppt sich bei näherem Hinsehen als vielschichtiger. Bei ihrer Studie über muslimische Jugendkulturen haben die Forscher genauer nachgefragt.

Der schwule Kurde, die flotte Bauchtanz – Queen in der türkischen Disko, der gläubige Jungunternehmer – die Lebensentwürfe junger Muslime in Deutschland sind vielfältiger als es Statistiken vermuten lassen. Mit mehr als 100 jungen Muslimen in ganz Deutschland haben die Rostocker Wissenschaftler gesprochen und gezielt nach biographischen Details gefragt. Die Lebensläufe sind weder stromlinienförmig noch homogen, wie Diplom Pädagogin Claudia Lübcke resümiert. Zum Beispiel die muslimische Rapperin mit Kopftuch:

"Subaia ist eine junge Frau die in der Großstadt aufgewachsen ist und aus ner Familie kommt wo sie stark beeinflusst wurde von der politischen Erziehung ihres palästinensichen Vaters, auch Gewalt erfahren hat in der Familie, ein eher negatives Verhältnis hatte zu ihrer Mutter, die keinen liebevollen Umgang mit ihren Kindern pflegte. Sie ist dann ausgebrochen, ist in Diskotheken gegangen, hatte mit Religion in dieser Zeit auch nichts zu tun, hat sich dann auch ab 18 schon professionell entschieden Rapperin zu werden und war in der Szene aktiv und das wurde dann nach dem 11. September noch mal verschärft weil sie sich nach dem 11. September entschieden hat, ein Kopftuch zu tragen."

Die Studie der Rostocker stützt wissenschaftliche Befunde, nach denen der Islam eine zentrale Rolle spielt im Leben jugendlicher Muslime. Gleichzeitig sind sie Deutsche – und fühlen sich auch so, wie Hans Jörg Wensierski, Professor für Erziehungswissenschaft und Jugendbildung betont:

"Was wir bei unseren Jugendlichen finden – ist, dass das Jugendliche sind, die von klein auf in Deutschland aufgewachsen sind und sich sehr stark identifizieren mit Deutschland, ihrer Heimat, das Land, das sie stark geprägt hat und trotzdem gleichwohl ihre islamische Identität zu betonen und beides miteinander zu vereinbaren suchen. Wenn man so will ist das natürlich auch ein Indikator für einen spezifisch europäischen Islam weil bestimmte Werthaltungen, bestimmte Vorstellungen, von Demokratie, von Staat, von Kultur, von Rechten als Frau in der Gesellschaft mit muslimischen Konnotationen verbunden wird."

Es geht also um die Verbindung zwischen Religion und der Gesellschaft, in der sie leben. Kennzeichnend ist bei jungen Muslimen dabei eine enge Bindung an ihre oft konservativen Familien und ihre Religion. Beides Konstanten im Leben nahezu aller jungen deutschen Muslime – egal welcher Jugendgruppe oder -szene sie sich sonst zugehörig fühlen. Allerdings – und das ist wissenschaftlich bislang nur wenig beleuchtet worden –  ist das Bekenntnis zum Islam nicht gleichzusetzen mit lebenslanger Frömmigkeit. Die Religion mit ihren Ge- und Verboten zur religiösen Lebensführung erscheint oder verschwindet in vielen Biographien  – abhängig von individuellen Wegen und Lebensphasen. Nicht selten stießen die Wissenschaftler auf extreme Wandlungen:  Zum Beispiel von einem kindlichen Glauben zu einer „expressiven Jugendphase“ wie das im Fachjargon heißt:

Diskotheken, Alkohol, bestimmte Jugendkulturen, die ne Weile aktuell waren, sexuelle partnerschaftliche Beziehungen – im Prinzip also das ganze Spektrum. Und haben sich dann aber nach ner bestimmten Zeit wieder rückorientiert.

Religion kann also in einer späteren Lebensphase wieder zum Leitmotiv der Lebensführung werden, betont Claudia Lübcke. Aber:

"Was jetzt nicht heißt dass sie die gleichen religiösen Vorstellungen wie ihre Eltern vertreten als Erwachsene sondern haben im Prinzip durch Einflüsse der Gemeinden oder Einflüsse im Studium sich wieder in diesen Richtungen orientiert, aber darüber hinaus sich trotzdem vom Islam der Elterngeneration sich ein Stück weit emanzipiert – da würde ich auch sagen, dass sich in den eigenen Religionsvorstellungen und Konzepten dieser Leute auch durch diese Jugendphase Veränderungen ergeben haben."

Wandlungen, die eine Statistik als Momentaufnahme nicht erfasst. Und auch der neu erschaffene Begriff „Pop-Islam“ das Phänomen nicht treffend beschreibt, weil er den Glauben zum Modeaccessoire degradiert. Die Lebensläufe der Jugendlichen erzählen eine andere Geschichte. Sie belegen, welche individuellen Schwierigkeiten und Spannungen sich ergeben, einen allumfassenden Glauben wie den Islam mit den Werten einer säkularen, pluralistischen Gesellschaft in Einklang zu bringen.  

Mai 2009, in veränderter Fassung für Deutsche Welle

Kinder erklären das islamische Opferfest

      

In vielen Ländern begehen Moslems in diesen Tagen (ab 15.Oktober in 2004 ) das islamische Opferfest. Heute zum Beispiel haben die Kinder in Jordanien und Saudi-Arabien schulfrei. Dort wird das Opferfest gleich mehrere Tage gefeiert,  für Moslems ist es in etwa so wichtig wie Weihnachten für uns. Die Gläubigen besuchen sich und schenken sich auch was. Aber das wirklich besondere am Opferfest ist das Schlachten.

Geräusch:  Schafblöcken

In Ländern, in denen die Mehrheit der Menschen Moslems sind, geht es den Schafen in diesen Tagen an den Kragen. Kurz vor dem Fest kauft jede Familie ein Tier und tötet es. Schächten nennt man diese besondere Art des Schlachtens, die von der Religion genau vorgeschrieben ist. Dabei werden die Tiere ohne Betäubung getötet. In Deutschland dürfen das nur speziell ausgebildete Metzger machen. Der Schlachter Yussuf Günel  weiß, wie es geht:

Nach dem Islam, unserem Prophet Mohammed  so wird das geschlachtet: Den Kopf nach Osten nach Mekka sozusagen und danach schneidet man. Messer an Hals und sagt Bismillah allah u akbar.“

Im Namen Gottes, Gott  ist groß, heißt das. Dabei muss der Kopf des Schafes in Richtung der Stadt Mekka zeigen. Dort hat der Prophet Mohammed gelebt, den die Moslems sehr verehren.Wo genau das Schaf  geschlachtet werden soll, darüber sagt die Religion nichts.

In Deutschland leben etwa 4 Millionen Moslems und manche von denen lassen einfach in ihren Heimatländern schlachten. Eben darum weiß Kilian Altintosh auch nichts über das Opferfest:

Kilian:

Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll.

Kilians Vater:

„Das ist meine Schuld ich hab ihm solche Sachen nicht beigebracht. Aber langsam ist es Zeit, dass er das lernen muss. Hier großartig feiern wir auch nicht. Meistes Geld schicken wir in die Türkei, unsere Eltern schlachten da für uns ein Lamm – das wars.“

Da kennt sich  Leila schon ein bißchen besser aus. Ihre Familie hat in Hamburg ein Schaf gekauft und bereits abgeholt – vom Schlachthof:

Leila:

„Zum Beispiel mein Bruder war letztens da und er hat es erzählt: Da war ein lebendiges Lamm und die haben einfach so den Kopf abgeschlachtet. Und die sagen auch ein Wort dafür: Bismillah und danach schlachten sie ihn. Es werden ganz viele Tiere geschlachtet und das tut mir sehr leid.“

Ute H.:

Leila, Schenua  und viele andere Kinder, die in Deutschland geboren sind finden das Schlachten von Tieren am Opferfest nicht gerade toll – auch wenn sie Muslima sind. Aber das Fest selbst mögen sie:

„Also unsere Väter, die schlachten ein Lamm und (andere) den essen wir dann später und braten wir ja, und dann braten wir ich glaub die müssen auch noch zur Moschee gehen und beten und dann kommen die nach Hause und danach müssen wir jüngere Leute immer zu den Älteren Leuten hingehen und danken und müssen dort auch essen.“

Das Fleisch des geschlachteten Schafs wird immer zusammen mit Verwandten verspeist. Oder auch an Arme verschenkt. In Erinnerung an eine Geschichte, die es im heiligen Buch derMoslems, dem Koran,  gibt. Es ist die Geschichte von  Ibrahim , wie Gökhan in der Moschee erzählt bekommen hat:

„Dieser Ibrahim – er wollte einen Sohn. Aber seine Frau – sie konnten keine Kinder zeugen. Darum hat er sich von Gott einen Sohn gewünscht sag ich mal. Dann ist er gekommen, aberGott meinte: Wenn ich sag Du sollst ihn töten, dann wirst Du ihn auch opfern.“

Ibrahim hatte zwei Söhne, Ismail und Isaak. Eines Tages kam ein Engel zu Ibrahim und befahl ihm, seinen Sohn Ismail zu töten. Ibrahim war sehr traurig, dennoch wollte er Gott gehorchen. Doch als er zum Messer griff, hörte er eine Stimme: „Töte Deinen Sohn nicht.“ Da wurde Ibrahim sehr froh, dass sein Sohn gerettet war und er verstand, dass es nur eine Prüfung seines Glaubens gewesen war.

Görkhan:

Dann hat Gott ihm eine Ziege oder Schaf geschickt und dann hat er den geopfert – und seitdem opfern wir auch.“

Ibrahim gibt es übrigens nicht nur bei den Moslems sondern auch bei den Christen. Bei uns heißt er nämlich Abraham. Abraham ist für alle Religionen wichtig, die an einen Gott glauben: Moslems, Juden und Christen. Und auch, wenn die Geschichte zunächst ein bißchen gruselig klingt hat sie doch eine sehr freundliche Bedeutung: Es ist nicht notwendig, im Namen Gottes Blut unter Menschen zu vergießen. Wer statt dessen etwas hergibt von seinemHab und Gut, und seinen Reichtum mit anderen teilt, zum Beispiel ein Schaf, der kann sich Gottes Wohlwollen sicher sein. Sei er nun Jude. Christ oder Moslem.

Oktober 2004, in geänderter Fassung für D-Radio , Kultur, Kakadu

Der Karikaturenstreit als journalistisches Lehrstück

      

Vor rund einem Jahr fasste Flemming Rose von der dänischen Zeitung „Jyllandsposten“ einen folgenreichen Entschluss. Er ließ 12 Mohammed Karikaturen veröffentlichten. Was dann passierte, schien ein Beleg für Huntingtons These vom „Kampf der Kulturen“ zu sein: Brennende Botschaften, hitzige Debatten um Religions- und Meinungsfreiheit. Nun stand der Redakteur jungen Journalisten aus 22 Ländern Rede und Antwort, die sich derzeit auf Einladung von „Inwent“, einer Entwicklungsorganisation, in Hamburg weiterbilden.

Am Schluß wird Flemming Rose umringt wie ein Popstar: Aufnahmegeräte und Kameras richten sich auf den zurückhaltenden Dänen. Lam aus dem Sudan umarmt ihn für ein Erinnerungsfoto. Sein ironischer Kommentar:

„Er ist ein berühmter Mann in meinem Heimatland. Ich werde sagen, dass ist der, der die Karikaturen veröffentlicht hat. Ich werde gesteinigt werden in meinem Land für das Foto mit ihm, aber sei‘s drum.“

Als die Kameras gezückt werden, hat Rose das Schwierigste hinter sich. Fast zwei Stunden nehmen ihn die Kollegen aus aller Welt ins Kreuzverhör. Lisa aus Syrien will wissen, ob es auch Meinungsfreiheit sei, wenn Muslime aus Wut auf die Karikaturen die Botschaften stürmen. „Nein“ lautet die knappe Antwort. Antony aus Zambia fragt, ob weniger Provokation nicht mehr bewirkt hätte. Roses Antworten sind spontan, ehrlich, widersprüchlich. Einerseits ist der Karikaturenstreit für ihn die „wichtigste Werte – Debatte seit langem“. Andererseits ein „Dilemma“. Unter anderem weil 160 Zeitungen weltweit nachgedruckt hatten – ohne Absprache:

„Am ersten Februar veröffentlichten die Welt, Le Soir und einige holländische Zeitungen die Karikaturen und einige Leute dachten, das wäre eine geplante Operation gewesen. Aber es gab keine Diskussion oder Absprache darüber. Das war einfach die natürliche Reaktion der Zeitungsmacher in Europa.“

Rose beschwert sich nicht über diese Eigendynamik, gesteht den Kollegen „publizistische Freiheit“ zu. Auch wenn das weltweit einen Sturm ausgelöst und ihn selbst persönliche Freiheit gekostet hat. Bodyguards, Geheimnummer fürs Telefon, verschärfte Sicherheitsvorkehrungen – noch immer. Als Opfer sieht er sich nicht. Ebensowenig wie die Muslime, deren religiöse Gefühle er mit den Karikaturen verletzt habe. Andere hätten ihm gedankt, sagt Rose trotzig und nennt Künstler, auch muslimische, deren kritische Werke aus Büchern oder Museen entfernt worden waren:

„Es hatte da ein paar Fälle von Selbstzensur in Dänemark gegeben. Leute hatten offen bekannt: Wir fürchten, Probleme zu bekommen. Sie entschieden sich dann, nicht provozieren wollen oder unerwartete Reaktionen heraufzubeschwören.“

Er verweist auf Karikaturen über das Christen- und das Judentum im Blatt. Da fehlte Mohammed. Für Rose, ehemaliger Dänischlehrer für Flüchtlinge, ist das ein Beleg für Gleichbehandlung:

„Das ist das schlimmste, was man Menschen antun kam, die ins Land kommen und sich integrieren möchten: Sie als Opfer zu behandeln. Weil Opfer der Definition nach nicht verantwortlich sind für ihre Taten. Darum plädiere ich für Gleichbehandlung. Wenn man Diskriminierung in einer demokratischen Gesellschaft überwinden möchte, dann geht das nur über Gleichbehandlung.“

Für uns waren die Karikaturen eine dänische, eine regionale Geschichte ergänzt er in der Diskussionsrunde. Ein Teilnehmer kontert: Der Prophet als „regionale Angelegenheit“? Flemming räumt ein wenig gewusst zu haben über den Islam. Und noch weniger über seine Vielfalt und Heterogenität. Mittlerweile gibt es Schulungen und Vorträge bei Jyllandsposten zum besseren Verständnis:

Migration, der Islam, das Zusammentreffen von westlicher und muslimischer Zivilisation ist ein ganz wichtiges Thema. Und jede Zeitung sollte das richtig darzustellen. Nichts fehlinterpretieren, nichts missverstehen. Stell die Geschichte richtig dar und sei fair dabei. Und um das zu erreichen, können wir etwas tun: Lernen.“

Juli 2006 in geänderter Form für „Deutsche Welle“

Deutsch-Ägyptischer Dialog

      

Die Terroranschläge von New York, Madrid und London sowie die Intervention im Irak haben die Beziehungen von Christen und Muslimen weltweit belastet. Dem möchte die Evangelische Akademie Loccum mit ihrem Forum für Christen und Muslime aus Ägypten entgegen wirken. Den Dialog gibt es seit 2003 – mal in Deutschland mal in Äypten.

Hagar Islambouly ist eine energiegeladene „Lady“. Die Ägypterin und frühere Botschaftsmitarbeiterin sorgt dafür, dass sich die berühmte Bibliothek von Alexandria langsam füllt. 2006 war das Gebäude mit Hilfe der UNESCO wie ihr historisches Vorbild in Aexandra neu eröffnet worden. Platz ist für bis zu 8 Millionen Bücher. Derzeit sucht Islambouly Partner im Ausland. Eine Werbung für das 3and am Nil und ein Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement. Mittlerweile gäbe es rund 26.000 Initiativen.

„Ägypten ist eine konservative Gesellschaft, die Mehrheit ist es zumindest. Aber im Hinblick auf eine Modernisierung und Wandlungprozesse innerhalb der Gesellschaft versteht jeder die Bedeutung einer Zivilgesellschaft und was sie ausmacht. Wie können sich solche Initiativen organisieren und zusammen arbeiten? Welche Strategien können dabei helfen? In Ägypten aber auch mit Hilfe internationaler Kontakte.“

Im deutsch – ägyptischen Dialog ist auch Andreas Jacobs aktiv. Der Büroleiter der Conrad Adenauer Stiftung in Kairo bietet Imamen, die an der Al – Azhar – Universität in Kairo ausgebildet worden sind Schulungen in „politischer Bildung“ an. In einer Moschee werden seit 2008 die ersten 30 Teilnehmer unterrichtet.

„Ich hatte den Eindruck, dass es eine Zielgruppe ist, die bislang völlig vernachlässigt wurde und zwar von internationalen Akteuren, aber auch von ägyptischen Anbietern von politischer Bildung. Wir sind daraufhin an das Ministerium für religiöse Angelegenheiten herangetreten, letztes Jahr, haben dort grünes Licht bekommen zusammen mit einem ägyptischen Partner, das sind Universitätsprofessoren, ein maßgeschneidertes Angebot zu stricken. Das heißt es geht zu allererst um politische Grundbildung, also: was ist Demokratie? was sind Menschenrechte? wie funktionieren Wahlen?“

Solch praktische Erfahrungen aus deutsch-ägyptischen Kontakten fließen ein in den Dialog, der sich im Spannungsfeld von Staat, Religion und Gesellschaft bewegt: Welchen Nutzen hat das Engagement von Bürgern? Wie reagieren Staat und Religionen darauf? Die Antworten in Ägypten und Deutschland fallen unterschiedlich aus: Von der ägyptischen Delegation erfahren die Deutschen, dass Muslime und ägyptische Christen keine „Integrationsnöte“ haben. Beide sehen sich als gleichwertige Bürger einer Nation. Die Ägypter interessieren sich wiederum für Modelle einer Zivilgesellschaft oder das Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland. Solche Gesprächen haben auch das Interesse der Politik geweckt: Rita Süßmuth oder Wolfgang Thierse waren Gäste. Rolf Wernstedt, ehemaliger niedersächsischer Kultusminister, nimmt regelmäßig teil und weiß wie ein fruchtbarer Dialog entsteht.

„Zunächst einmal: Dem anderen zuhören. Ihm nicht prinzipiell das Böse unterstellen. Der Rationalität des Arguments zumindest eine Chance geben. Identifizieren, was sind Meinungsprobleme, was sind Sachprobleme, was sind Interessenprobleme. Und wenn es uns gelingt, die entscheidenden Konfliktfelder des Nahen Ostens – in diesem Fall: Wie geht man als Religionsgemeinschaft miteinander um? Wie ist Verhältnis von Staat und Kirche? Wie ist der Prozess der Säkularisierung einzuschätzen? Welche Stellung hat Europa gegenüber Israel und den Juden und Deutschland insbesondere? Dann sind wir ein Stück weiter. Und insofern kann von der Methode, von der Geduld und vom gutem Willen her auch die Gesellschaft von der Evangelischen Akademie und solchen Initiativen lernen.“

Möglicherweise auch die Politik? In einer Resolution hat der Deutsch – Ägyptische Dialog gemeinsame Positionen festgehalten, die über fromme Friedenswünsche weit hinausgehen und pragmatisch Lösungen aufzeigen.

2009, in veränderter Fassung gesendet auf „Deutsche Welle“

Lehrstunde in Toleranz – der Religionsunterricht für alle

      

Mit seinem „Religionsunterricht für alle“ geht das Bundesland Hamburg einen einmaligen Weg geht. Rechtlich verantwortet die Evangelische Kirche das Modell. Bei den Inhalten aberhaben Imame, Rabbiner, buddhistische Mönche und Christen an einem Strang gezogen. Die Schüler profitieren.

Der Kursraum „12“ des Gymnasiums Kirchdorf-Wilhelmsburg erinnert eher an eine Begegnungsstätte. Die 16 Schüler des Religions-Leistungskurses sitzen im Stuhlkreis, die Fenster sind mit bunten, abstrakten Glasmalereien geschmückt. Sie symbolisieren den gemeinsamen Ursprung aller Religionen. Hammad, ein Moslem indisch-pakistanischer Herkunft und die 18jährige Özlem, deren Eltern aus der Türkei stammen, fühlen sich hier wohl:

Hammad: "Was sofort auffällt: Dass es verschiedene Gegenstände gibt von allen Weltreligionen. Sei es vom Islam der Gebetsteppich oder dann gibt es noch die verschiedenen Symbole …".Özlem: "Die Glaubensbekenntnisse stehen an der Wand und da sind die verschiedenen Symbole, die unsere Religionen vertreten: Wie halt Davidsstern oder bei uns im Islam, auf arabisch geschrieben „Gott“."

Dennoch ist der Leistungs- kein interreligiöser Schmusekurs. Das zeigen die ersten Minuten der Sschulstunde. Rana protestiert lautstark. Ein Gebetsteppich liegt offen in der Mitte des Raumes:

„ Man sagt, dass der Teufel dann drauf steht. Lehrer: "Der Teufel betet auf dem oder stellt sich auf den Gebetsteppich rauf? Hey Veysel, Du bist auch Muslim – was hast Du dazu gehört?" Veysel: "Also ich kenne es so, dass es Tradition ist. Der Teufel würde sowieso nicht beten (Schülerin ruft etwas dazwischen) Zeig mir mal die Quelle, wer das gesagt hat. Dann musst Du in der ganzen Moschee die Teppiche rausschleppen, krrrr (Schüler rufen durcheinander)

Differenzen wie diese empfindet die Mehrheit der Schüler als belebend oder gar befreiend. Wie groß die Unterschiede in Meinungs- und Glaubensfragen sind erfahren sie in und außerhalb der Schule tagtäglich im multiethischen Wilhelmsburg. Im „Religionsunterricht für alle“ können sie thematisiert werden. Zum Beispiel Mareike, die Neu-Apostolikerin ist:

"Wenn man nur in einer Religion Unterricht hat, hat man keine verschiedenen Meinungen , die aufeinander treffen können. Das heißt: Man kann nicht diskutieren, man kann sich nicht austauschen, man sieht alles gleich. Deshalb finde ich unseren Religionsunterricht echt gut."

Der Stundenplan steht gerade das Leben Jesu. Noch mehr Diskussionsstoff. Für die Neuapostoliker steht die Wiederkunft von Gottes Sohn bevor, für Muslime ist diese Vorstellung schlicht absurd. Wie also formuliert man religiöse Standpunkte und vertritt sie, wenn sie denen der anderen widersprechen? Für Melanie, die gar nicht an Gott glaubt, ist die Sache klar:

"Ich hab den Leistungskurs gewählt, weil mich Religion interessiert und ich es interessant finde, zu sehen wie religiöse Menschen halt anders mit ihrem Leben umgehen wie ich. Ich finde es interessant, andere Horizonte zu sehen und meinen Standpunkt zu erweitern und toleranter zu werden. Besonders wenn ich mit Özlem diskutiere, weil sie genau das andere Extrem ist. Also ich bin extrem ungläubig und sie ist meiner Meinung nach extrem gläubig. Das bringt immer Spaß. Gerade mit ihr." Özlem: "Es ist schon so dass Melanie und ich öfter in Diskussion geraten. Ich bin auch der Meinung, dass der Koran Gottes Worte sind und das vertrete ich dann auch hier. Viele haben auch Vorurteile gegen meine Religion und überhaupt: "Das ist ne Türkin". Hier kann ich offen sprechen. Wenn einer sagt, dass Muslime Terroristen sind – hier habe ich eine Gelegenheit meine Meinung zu vertreten.

Für Religionslehrer Andraes Gloy sind die Schulstunden eine willkommene Herausforderung. Wissensvermittlung über alle Religionen und Reflexionen über Glaubensinhalte sind das Ziel, aber es gibt kaum Unterrichtsmaterialien. Daneben berühren die Diskussionen – zum Teil ganz ungeplant – auch immer aktuelle Fragen:

05 Das könnte Sterbehilfe sein, Abtreibung, war Jesu Tod umsonst? Wie verhalten wir uns zu der Frage der Gewalt in der Politik? Da gibt es in „Religion“, das ja ein gesellschaftswissenschaftliches Fach ist, sehr sehr viele Möglichkeiten, wo man auch von Gesprächsthemen aus zurückgehen kann und sagen: darüber müssen wir uns noch mal informieren. Dazu gehen wir mal in eine Moschee, dazu rufen wir noch mal den Pastor an und fragen nach und lernen so auch Sachwissen dazu, dass wir uns an Themen orientieren.

Seit Jahren hat es am Gymnasium Kirchdorf Wilhelmsburg keine Abmeldung vom Religionsunterricht gegeben. Religion muss also nicht zwangsläufig zum Zankapfel werden wenn Schüler, Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen. 2009, in veränderter Form gesendet auf "Deutsche Welle"

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