Journalismus

„Zusammenhänge müssen nicht wirklich bestehen, aber ohne sie würde alles zerfallen.“ (Robert Menasse, Die Hauptstadt)

 

Dass Journalismus auch Wege und Lösungen präsentiert, statt sich an Krisen und Konflikten zu orientieren, ist wahrlich nicht neu. Zu einem „eigenen Geschäftsfeld“ ist der so genannte „Construktiv Journalism“ geworden, weil viele news- und sensationsorientierte Medien ihn outgescourct haben. Mit Angst lassen sich bessere Geschäfte machen. Wir alle reagieren instinktiv auf eine drohende Gefahr. Und je häufiger wir in Alarmbereitschaft versetzt werden, die sich als „falscher Alarm“ herausstellt, umso mehr stumpfen wir ab.

 

Der kontruktive Journalismus ist dem gegenüber reizarm, häufig zeigt er die alltäglichen Herausforderungen von Menschen, bietet statt „Thrill“ aber einen gesellschaftlichen Mehrwert: nämlich die in den Mittelpunkt zu stellen, die Probleme erkannt und sich für ihre Lösung einsetzten. Oder der Journalist erkennt durch seine Recherchen selbst einen Ansatz und kann ihn vorschlagen.

Ich schreibe seit meinem 17. Lebensjahr für Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internet und war schon immer interessiert daran, warum etwas funktioniert und nicht, warum es nicht funktioniert.

Zu den deprimierenden Erfahrungen in meinem Beruf gehört, dass ich – mit rund 30 Themen im Gepäck – die aus meiner Sicht bewegenste Geschichte einer Afghanistan-Pressereise nicht verkaufen konnte. Sie handelte von einem Dorf „in der Pampa“, das am Abend zuvor Strom (aus einem von Deutschland bezahlten Kraftwerk) bekommen hatte.  Das Leben der Bewohner veränderte sich schlagartig und war ein schönes Beispiel, dass Engagement in Afghanistan Sinn machen kann – wenn auch nicht überall und für jeden.

Afghanistan

Es kann ein echtes Abenteuer werden, sich im Norden Afghanistans fortzubewegen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte diese Pressereise zum Thema „Vernetzte Sicherheit“ organisiert. Unter anderem konnten Journalisten einen Eindruck über Projekte deutscher Entwicklungszusammenarbeit gewinnen.
Die ressortübergreifende Zusammenarbeit der deutschen Vertreter von Auswärtigem Amt (AA), BMZ, Militär (BMVg) und Polizei (BMI) in den sogenannten Wiederaufbauteams erfordert gute Absprachen. Für die afghanischen Sicherheitskräfte ist der Umgang mit Vertretern ziviler Organisationen häufig ungewohnt.

Für die Kindersendung von Deutschlandradio-Kultur habe ich in mehreren Beiträgen Kinder in Afghanistan portraitiert. Auf dem Land arbeiten viele zumindest nach der Schule auf den Feldern, um ihre zum Teil bettelarmen Familien zu unterstützen.

Fast alle träumen von einem besseren Leben – und das heißt, sie wollen zur Schule gehen, etwas lernen und dann: Lehrer werden. Warum – das wird im folgenden Audio erklärt.

Israel/ Naher Osten

Bei einem 18 monatigen Aufenthalt in Israel, Palästina und Jordanien habe ich für Radiosender der ARD über den Nahostkonflikt berichtet.

Medien und Gewalt

Dass ich während meines Aufenthalts sowohl in einem palästinensischen Dorf als auch in einer jüdischen Kleinstadt gelebt und auf beiden Seiten Freunde hatte, hat mich nachhaltig geprägt. Leider berichten Journalisten fast ausschließlich über die Auseinandersetzungen, Attentate und Gewaltexesse in der Region. Schade ist, dass damit all jene in den Fokus medialer Aufmerksamkeit geraten, deren Verhalten  gesellschaftlich unerwünscht sein müsste. Dass ist traurig, weil sich gleichzeitig andere mit vollem Einsatz um friedliche Lösungen bemühen und mit ihren Initiativen oftmals allein gelassen, wenn nicht gar belächelt werden.

Feindbilder abbauen

Dass trotz aller Feindseligkeiten einige jüdische und arabische Israelis das Wagnis des Dialogs eingehen und auf Frieden setzen, ist nicht selbstverständlich. Die israelische Bildungseinrichtung Givat Haviva initiiert seit mehr als 60 Jahren Begegnungen zwischen Juden und Palästinensern bzw. arabischen Israelis. Das ist kein „Umarmen für den Frieden“, sondern ein „Knochenjob“. Manchmal scheinen die Gräben unüberwindlich. Emotionalen Achterbahnfahrten gehören zum Prozess.

Mal treffen sich Gemeindevertreter, mal Frauengruppen, mal Schüler, zum Beispiel in dem Projekt „Kinder lehren Kinder.“ Für das Programm begeistert sich auch Außenminister Sigmar Gabriel, der Givat Haviva bereits als „junger Sozi“ und später als niedersächsischer Ministerpräsident besucht hat:

Jüdische und arabische Kinder in Israel besuchen getrennte Schulen. In Givat Haviva-Projekten lernen sie sich häufig zum ersten Mal persönlich kennen. Vorurteile, Hass, aber auch Neugier: Das Gespräch miteinander ist nie einfach, aber ganz und gar unverzichtbar. Selbst wenn es zunächst wenig Gemeinsamkeiten zu geben scheint:

 

   

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