Zum Inhalt springen

Wortwechsel

WORTWECHSEL

Auf dieser Seite veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen Beispiele bemerkenswerter Kommunikation. Manchmal enthüllt sich die tiefere Bedeutung erst beim Nachlesen bzw. mit zeitlicher Distanz. Keine Antwort ist auch eine. Feinschliff-Rhetorik kaschiert Haltungsschäden nicht dauerhaft.

16.03.2020 Schützt der Verzicht auf soziale Kontakte?

„Wir müssen uns körperlich distanzieren, aber als Gesellschaft zusammenrücken.“

Tobias Hans, CDU, saarländischer Ministerpräsident am 15.03.2020 im DLF
16.03.2020, Wie umgehen mit Corona?

05.03.2020 Bundestagsdebatte: Rechtsextremismus und Hass entschieden bekämpfen

Der Feind unserer Demokratie steht in diesen Tagen rechts – und nirgendwo anders.(…) Hanau war ein Anschlag auf uns alle. (…) Immer beginnt es mit der Sprache: Beleidigungen, Schmähungen und Ausgrenzungen sind der erste Schritt in die Verrohung, der erste Schritt, dem Anderen das gleichwertige Menschsein abzusprechen(….) Es geht um Respekt und Achtung in kritischen Auseinandersetzungen.

Ralf Brinkhaus, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag

Aber gerade damit, Respekt und Achtung zu haben, tun sich AfD-Abgeordnete häufig schwer. Im Angesicht von Angehörigen der Getöteten von Hanau auf den Tribünen des Bundestages nimmt der AfD-Abgeordnete Roland Hartwig die Opferrolle für sich und seine Partei in Anspruch:

„Es ist doch schön, nicht wahr, wenn man einen gemeinsamen Feind hat. Und man sich auch einig ist, wo man ihn suchen muss – nämlich rechts. Wenn Sie all den Menschen, die ihre Meinung nicht teilen, den Mund verbieten, wenn sie diese Leute stigmatisieren und gesellschaftlich isolieren, dann schaffen sie selbst die Räume der Radikalisierung. …Und jetzt meine Damen und Herrn kommen wir von der AfD und halten Ihnen den Spiegel vor. Was Sie sehen ist hässlich.“

Roland Hartwig, AfD – Fraktion im Bundestag
Quelle: Bildschirmfoto Parlamentsfernsehen, 2.Reihe links, Roland Hartwig

01.03.2020 Christliche Zungenfertigkeit für D. Trump

Paula White ist Telepredigerin und seit kurzem von Donald Trump auserkoren, die Brücke zwischen Weißem Haus und der evanglikalen Wählerschaft in Amerika zu festigen. Die Dame fühlt sich berufen, Trumps Präsidentschaft als Willen Gottes dazustellen und missbraucht dazu gern auch christliche Rituale wie die „Zungenrede.“

24.02.2020

Die Wahl-Posse in Thüringen führt vor Augen, warum man niemanden wählen sollte, der die Konsequenzen der eigenen Worte und Taten nicht abzuschätzen weiß und sich – hopp oder flopp – wahlweise als überlegener Deutscher oder gedemütigtes Opfer fühlt.

Mehr als alles andere schreckt mich das Fehlen der Fähigkeit „auf Augenhöhe“ mit Anderen zu sprechen, denn ich wüsste nicht, wie man sonst zu Lösungen in Politik und Gesellschaft kommen könnte.

Mit dauerhaften „Oben-Unten-Spielchen“ kann eine Demokratie nicht funktionieren. Irgendwann muss es auch mal um die Inhalte gehen.

20.02.2020 Die FAZ über den Attentäter von Hanau

Die Botschaft in einem der Videos von R. lautet: Vertraut nicht den „Mainstream-Medien“ und beschafft Euch „Information“! Das ist in einem Satz die Handlungsanweisung, die in die Irre führt: wenn für Information gehalten wird, was Wahnvorstellungen sind, und für Lüge, was um die Wahrheit bemüht ist. In der digitalen Welt ist diese verkehrte Welt zum Geschäftsmodell geworden – zum politischen, zum extremistischen, zum terroristischen. Verantwortung müssen deshalb all diejenigen übernehmen, die von diesem Geschäftsmodell leben oder profitieren.

Die FAZ zum Attentat von Hanau

Leider findet der Wahn derzeit nicht nur in der digitalen Welt statt. Wenn Kompetenz keine Rolle mehr spielt und „Spezlwirtschaft“ regiert werden „ganze Kerle“ oben salonfähig: Zum Beispiel der neue US-Geheimdienstchef und Ex-„Diplomat“ Grenell.

Quelle: Bildschirmfoto Stuttgarter Zeitung

19.02.2020

Heute mit einem „Einwurf“ von mir:

Auch wenn es tausend Mal behauptet wird: Radikalisierung findet nicht „im Netz“ statt. Sie „sitzt“ in Körpern, die erstarrt sind vor einem Display , auf dem sich Leben allein virtuell abspielt. Wer sich jedem realen emotionalen oder sozialen Kontakt verweigert läuft Gefahr, im Netz „kommunikativ konterminiert“ zu werden.

Unser Affekthaushalt ist ein fragiles Gebilde. Aggressionen sind überlebenswichtig, wenn sie lebenserhaltend eingesetzt werden. Wenn aber immer mehr Menschen destruktiven Affekten freien Lauf lassen, weil sie vor dem Bildschirm die Regulation verlernen (oder gar nicht erst gelernt haben), bekommt die Zivilisationsdecke Löcher.

Es lohnt sich, zu fragen, wer von der Entwicklung profitiert. Und wie man sie aufhält.

16.02.2020

Haben wir Kriterien, entlang deren Braun nicht länger ins bunte Bild passt? Die Differenz am Kriterium Pro/Anti-Demokratie aufzumachen, ist insofern problematisch, als das es zunächst nur ein formales Kriterium ist und beispielsweise der gesellschaftliche Unterbau der Rechtsregierungen in Polen und Ungarn auf eine zählbare und bei Wahlen einzulösende (relative) Mehrheit in der Bevölkerung verweisen kann.

Das treffendere Kriterium ist unserer Meinung nach die noch näher zu bestimmende Zivilität einer Zivilgesellschaft (…).

Albert Evers, Universität Heidelberg und Claus Leggewie, Universität Gießen

14.02.2020

„Einen Menschen a priori nicht als Einzelnen, als Person, sondern generell und vornehmlich als Deutschen, Neger, Juden, Fremden, Emigranten (…) zu behandeln, ohne dass man schon die Erfahrung hätte, er verdiene nicht, für sich selbst zu gelten, ist barbarisch.“

Max Horkheimer, Prof. für Soziologie in Frankfurt a.M., 1961 in einem Beitrag für die NDR-Sendereihe „Portraits zur deutsch-jüdischen Geistesgeschichte.“

12.02.2020

Die junge Generation soll sich äußern zu ihrer Zukunft, auch ich habe mich in Jugendorganisationen zu meiner Zukunft geäußert. Allein mit Personenkult und Hype lösen wir aber kein Problem.

Andreas Scheuer im Artikel der FAZ „Ich bin für Freiheit der Mobilität ohne unnütze Verbote“, 09.02.2020

11.02.2020

Wer, wie dies die Extremisten tun, die Feinderklärung in die Demokratie trägt, wer dem Volk das „Anti-Volk“ als Feind gegenüber stellt, wer die Verantwortung vor der Geschichte leugnet, wer sich über das Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus lustig macht, wer Menschen aus dem Land jagen will, weil sie ihm nicht deutsch genug sind, wer von sich behauptet, er habe das Monopol der authentischen Repräsentation, wer Grundrechte und Grundwerte aushebeln will – der ist ein Feind der Demokratie. Man soll, man darf ihn nicht zum Populisten verharmlosen.

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, in dem Artikel: „Die Selbstvergiftung der Demokratie“, 09.02.2020

08.02.2020

„Wenn es der Sache dienlich ist, muss man auch mit diesen Leuten (AfD, Anm. UH) reden“. Durch Ausgrenzen dieser Strömung zerstöre man die konservative Mehrheit im Landtag.

zitiert die „Zeit“ am 03.02.2020 Christoph Kindervater, den parteilosen AfD-Ministerpräsidenten-Kandidaten für Thüringen

Christoph Kindervater wurde wenig später selbst zum Ausgegrenzten. Die AfD gönnte ihrem Kandidaten keine Stimme, um sattdessen Thomas Kemmerich, FDP, zu wählen und einen politischen Coup zu landen.

Und Kindervater?

07.02.2020

„Ich hätte ihn (Kemmerich, Anm. UH) auch gewählt, weil ich der Meinung bin, dass ein FDP Ministerpräsident zunächst mal besser ist als einer von der umbenannten SED.“

Alexander Mitsch, Bundesvorsitzender der WerteUnion, DlF

„Die Hoffnung, die aus meiner Sicht Thomas Kemmerich hatte, war, dass er mit den Stimmen der AfD am Ende eine Politik machen kann, die gegen die AfD gerichtet ist.“

Ria Schröder, Vorsitzende Junge Liberale, DLF

Der Unterschied zwischen Strategie und Schizophrenie beträgt in diesem Kontext nur noch wenige Buchstaben.

05.02.2020

Scrennshot der Website des neuen thüringischen Ministerpräsidenten

04.02.2020

WDR Intendant Tom Buhrow im Gespräch mit Christoph Sterz, Medias Res, DLF

Sterz: Wenn jetzt der WDR tatsächlich ein Nachbar ist, so wie sie das ja eben beschrieben haben, dann ist es natürlich auch hilfreich (…) ins Gespräch zu kommen. Also mit den Rundfunk-beitragszahlern und mit den Bürgerinnen und Bürgern. Jetzt schreibt die Süddeutsche Zeitung heute, dass sie zur unfallfreien Kommunikation Berater engagiert haben für zwei Jahre, und zwar laut Ausschreibung für insgesamt 580.000 Euro. Und dann kommt noch dazu, dass ihr eigenes Kommunikationsteam deutlich größer ist als das von ihrem Vorgänger im ARD Vorsitz. Ist da also bisher zu schlecht und zu wenig kommuniziert worden mit den Nachbarn?

Buhrow: Nein, überhaupt nicht. Und ich finde es auch nicht gut, wenn man die (ARD – Anmerk. UH) Vorsitze – das ist ja eine Verantwortung, die man auf Zeit hat – gegeneinander ausspielt oder gegeneinander in Stellung bringt. Jedes Jahr und jede Herausforderung ist unterschiedlich. Wir haben das Beitragsjahr, das heißt das, was sie bekommen als freier Mitarbeiter, das, was ihre festangestellten Kolleginnen und Kollegen bekommen, das, was für unsere Programme an Finanzen zur Verfügung gestellt wird, das wird alle vier Jahre entschieden. Das ist ein sehr komplizierter und auch sehr umstrittener Prozess. Und der ist genau in diesem Jahr. Und da wir seit der Umstellung auf das Beitragsmodell, also auf das Modell „Pro Haushalt wird bezahlt“ überhaupt keine Erhöhung mehr hatten, sondern im Prinzip seit elf Jahren nur einmal abgesenkt hatten, den Beitrag, ist das etwas, was sehr, sehr erklärungsbedürftig ist bei den Menschen. Und da müssen wir eine besondere Kraftanstrengung machen.

Aha. Wenn das Kommunikationsteam mit den Aus….äh Aufgaben wächst, kann also mit besonderer Kraftanstrengung jede Entscheidung gerechtfertigt werden……..Ob das wohl Verständnis beim Hörer und der Hörerin weckt? Immerhin denkt die ARD laut darüber nach, am Programm zu sparen, wenn die Gebüren nicht signifikant erhöht werden. (DLF, 20.02.2020)

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.