Demokratie aus dem Baukasten – über „Statebuilding“

Mit dem Arabischen Frühling hat im Nahen Osten und im Maghreb ein Wandel eingesetzt, dessen Ergebnisse noch offen sind. Europa wünscht sich demokratische Verhältnisse – und hilft in Krisenregionen zuweilen auch mal nach: Mit dem künstlichen Staatsaufbau, dem so genannten „State Building“ sollen Länder im Umbruch beispielsweise stabilisiert werden. Mehrere Politikwissenschaftler kritisieren die Methode jetzt als unausgereift.

Hilfe für die Staats-Gewalt

Kamboscha, Somalia, Ruanda, Haiti, zuletzt Afghanistan. In der Regel beginnt der Eingriff mit Hilfe des Militärs. Begleitet wird er von politischen Maßnahmen im Krisen-Staat, beispielsweise dem Aufbau der Polizei oder dem Ausrichten von Wahlen. Maßnahmen, die – wie es heißt – mehr Demokratie bringen sollen. Das so genannte „State Building“ hat viele Gesichter und wird in der Regel in Nachkriegsgesellschaften eingesetzt. Vorbilder sind die westlichen Demokratien, Ziel ist die Stabilisierung einer Krisenregion.

Pappmachee-Demokratien?

Mit zumeist fragwürdigen Resultaten, resümiert Florian Kühn. Der Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in Hamburg macht aus seiner kritischen Haltung gegenüber dem „state building“ keinen Hehl. „Potemkinsche Dörfer“ nennt er den von außen initiierten, künstlichen Staatsaufbau. Dessen Schwierigkeiten hat Kühn besonders am Beispiel „Afghanistan“ ausgemacht. Die Maßnahmen glichen hohlen Kulissen, die in sich zusammen fielen, wenn der Westen die Krisenregion verlasse, fasst er seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen.

Zu einem ähnlichen Urteil kommt eine Analyse der Stiftung Wissenschaft und Politik: Staatliches, ressortübergreifendes Handeln funktioniere in Afghanistan nach dem Prinzip: „Versuch und Irrtum“ und gliche einem Stochern im Nebel.

Politik als Bremse der Veränderung…

Die Experimentierfreudigkeit beim „State Buildung“ stehe im krassen Gegensatz zur Politik gegenüber der arabischen Welt, mit der man viel zu lange an scheinbar Bewährtem, konkret: den arabischen Potentaten, festgehalten habe, setzt Volker Perthes, Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik hinzu: „Das trifft auf Ägypten zu, das trifft auf Tunesien zu, das trifft auch auf Saudi-Arabien oder auf Syrien und selbst auf Libyen zu.“ Was alte Hasen in Sachen „Politik“ eigentlich wissen müssten: Das krampfhafte Festhalten an Stabilität und Sicherheit führt allzu oft direkt in die Arme politischer Stagnation. Paradebeispiel Libyen, sagt Perthes: „Wo man gedacht hat, wenn man seit 42 Jahren regiert, dann ist das ein stabiles System und dann ändert es sich vielleicht von innen. Und wenn es bereit ist sich von innen zu ändern dann wollen wir Hilfe geben.“

….oder Katalysator?

Bis das System in Libyen derart verknöchert war, dass die Nato schließlich nachhelfen musste bei der inneren Veränderung. In Syrien, wo ein militärischer Eingriff bilang verworfen wurde, dauert der Befreiungsakt an. Ein Ende ist nicht absehbar. Aber selbst, wenn es dem syrischen Volk gelingt, Assad zu stürzen, sei „state buildung“ auch hier kaum ein geeignetes Mittel, um das Land zu stabilisieren, sagt der Politikwissenschaftler Kühn. Seine Einschätzung: „Wenn das Regime stürzen sollte und diese Institutionen mit anderen Leuten gefüllt werden ist der Staat ja nicht verschwunden.“

Eben das könnte Syrien von Libyen unterscheiden. Denn in dem nordafrikanischen Land seien die staatlichen Institutionen stark personalisiert, gewissermaßen zugeschnitten gewesen auf den bisherigen Herrscher-Clan, beobachtet Kühn: „Es kann es sein, dass viele der Institutionen, wenn sie nicht von Ghaddafis Verwandtschaft und seiner eigenen Gruppierung gefüllt werden dann auch als Institution nicht mehr richtig vorhanden sind.“

Methode auf dem Prüfstand

Das möchte Kühn allerdings nicht als Aufruf zum „state building“ in Libyen verstanden wissen. Das politische Instrument zur Stabilisierung und dem Aufbau von Krisenregionen sei extrem fragwürdig, wenn nicht genaue Ziele des Eingriffs sowie Dauer und Erfolgsnachweise exakt definiert und formuliert würden. Genaue Zielvereinbarungen – gemeinsam von allen getragen – müssten her. Und sich eben darum lasse sich „Demokratie“ nur ganz schwer in die Krisenregionen dieser Welt exportieren: „ Es ist ja ja ein Idealbild des westlichen Staates, der aber in der Praxis auch nicht so gut funktioniert wie das Ideal.“

Trügerischer Wunschtraum

Eine Demokratie aus dem Modellbau-Kasten der Illusionen gewissermaßen. Nicht zu verwirklichen, weil sie in ihrem Wunschbild einer zwar schönen, aber doch wirklichkeitsfernen Fata Morgana gleicht. Kühn: „State Buildung ist immer wahnsinnig frustrierend, weil es nie zu dem gewünschten Ergebnis führt und potentiell ewig andauert.“

 

(in geänderter Fassung für Deutsche Welle, Nov. 2011)

Der Zeitreisende

Wie bringt man Kindern und Jugendlichen nahe, welche Vorzüge „Demokratie“ hat? In dem man Geschichten erzählt. Das folgende Expose habe ich 2011 als Rohfassung eines Hörspiels für afghanische Jugendliche geschrieben. Umgesetzt von der Deutschen Welle:

 

Charaktere:

Said: 15 Jahre, lebt seit dem Tod seiner Eltern bei seiner Tante in einem Dorf, das immerhin eine Schule hat. Er ist aufgeweckt und wissbegierig, zugleich fantasievoll und ein guter Schüler. Daß die Tante ihn zwingen will, die Schule zu beenden bekümmert ihn zutiefst.

Die Tante: ist schon alt, verbittert und fühlt sich durch die Aufgabe, Said, einen jungen Mann, zu erziehen völlig überfordert. Sie ist boshaft, flüchtet sich im nächsten Moment gern in ein Gejammer über Schmerzen und Krankheiten, wenn ihr alles zu viel wird. Sie fordert von Said, zu arbeiten, um die Tante finanziell zu unterstützen.

Saids Eltern: sind gestorben als Hamid drei Jahre alt war. Bis dahin war sein Vater Lehrer

Mohammed: jüngerer Bruder des Großvaters, Onkel der Tante,  mit einem kleinen Haushaltswarenladen in Kabul

Parvez: ein Parlamentsabgeordneter in den 60ger Jahren

 

Der Zeitreisende

Eine Hiobsbotschaft

Als Said von der Schule kommt trifft er die Tante vor der Haustür. Er wundert sich. Sie ist schon klapperig und geht nur im Notfall raus. Drinnen beklagt sie sich zunächst wieder über ihre Schmerzen im Körper. Dann eröffnet sie dem Jungen, dass sie eine Nachricht erhalten und Arbeit für ihn hat. Er soll in Kabul als Handlanger im Laden ihres alten Onkels arbeiten. Ohnehin gibt er der Tante Geld für Saids Unterhalt, seit Saids Eltern gestorben sind. Die Tante will, dass Said dem alten Mann hilft. Obwohl sie über ihn schimpft. Er sei immer ein Freigeist gewesen. Einer mit Rosinen im Kopf. Bis heute wusste Said nicht mal, dass es ihn gibt.

 

Ein geheimnisvoller Fund

Kabul? Undenkbar, so launisch die Tante sein mag. Ein Leben ohne die Schule, Bücher und Lernen? Vor allem: Ohne die Schule, in der der Vater als Lehrer gearbeitet hat? Das kann sich Said nicht vorstellen. Er will doch später studieren und zwar Geschichte! Er verkriecht sich im Keller, findet einen alten Mantel. In dessen Tasche entdeckt er eine Streichholzschachtel. Und ein Hochzeitsfoto seiner Eltern.  „Helft mir doch“, fleht er das Foto an. Da sieht er die rätselhafte Aufschrift auf der Streichholzschachtel. „Ich bin das Licht der Erkenntnis.“ Mit zitternden Händen entflammt Said das erste Streichholz.

 

Zum Wohl des Landes

Wusch…..Wo ist er nur hingeraten? In jedem Fall ist es eine Stadt. Ein Versammlungssaal. Ein Mann spricht. Said erstarrt. Er scheint diesen Mann zu kennen , dem alle so respektvoll zuhören. Er hat eine entfernte Ähnlichkeit mit Saids Vater. Der Mann hält eine Rede. Er spricht von Modernisierung des Landes. Von afghanischen Männern und Frauen, die gemeinsam zum Wohl des Landes beitragen. Von Armut, die abgeschafft werden soll, von Büchern für alle, von Wissen und Bildung für eine goldene Zukunft Afghanistans. Die Menge erstarrt. Einige klatschen. Andere murren. Das ist „Majestätsbeleidigung“, rufen sie. Majestätsbeleidigung? Ja gibt es denn einen König? Er muss in die Vergangenheit geraten sein. Welche Zeit mag das sein? Der Tumult im Saal wird immer größer. Said flieht in einen leeren, dunklen  Raum. Wie findet er zurück in seine Zeit? Wo ist er hier überhaupt? Er zündet ein Streichholz, um zu sehen, wo er hingeraten ist…..Wusch.

 

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Die Tante stöhnt. Diesmal zwickt es im Fuß. Vorsichtig fragt Said, ob sie sich an die Regentschaft des letzten Königs erinnern kann. Doch sie schreit ihn nur an. Viel zu jung sei sie gewesen. Überhaupt – wohin nur all die dummen Fragen führen sollen. Morgen solle er Abschied nehmen von der Schule. Übermorgen sei Schluss mit dem Lernen. Saids Versuch, zu argumentieren, sein Bitten und Flehen würgt sie ab. „Füge Dich in Dein Schicksal. Und jetzt massier mir die Füße“

 

Die Botschaft des Königs

Said will dem Unausweichlichen entfliehen. Und ihm fällt dazu nur ein Weg ein: die Streichhölzer. Wenn die Gegenwart unerträglich ist, will er in der Vergangenheit leben.  Er entzündet ein Streichholz.  Wusch! Wieder eine Versammlung. Aber nun sind die Männer und Frauen still, gespannt. Es ist das Parlament und alle warten. Plötzlich sieht Said den König. Er spricht zu den Abgeordneten und bestätigt, dass sie künftig Afghanistan mitregieren werden. Die Zeiten seien zu kompliziert. Ein Mann allein – und wenn es der König wäre – könne nicht alle Antworten auf Fragen finden. Und wieder sieht Said den Mann, der beim letzten Mal eine Rede gehalten hat. Said ist so verzweifelt und der Mann sieht so sympathisch aus, dass er ihn anspricht.

 

Ein neuer Freund

Gemeinsam gehen sie in ein Cafe. Said staunt über die Menschen. Es sitzen sogar Frauen da, sie debattieren mit Männern über Politik. Überhaupt scheinen die Menschen fröhlich, gelöst, hoffnungsvoll. Parvez – so heißt der neue Freund –  erzählt, dass er Parlamentsabgeordneter sei und dass Said gerade Zeuge eines historischen Moments gewesen ist. Said nutzt die Gelegenheit und „quetscht“ ihn aus. Aber als Parvez Näheres über Said wissen möchte bekommt der furchtbare Angst. „Ich bin ein Junge aus der Zukunft,“ antwortet er ausweichend.  „Wenn du die Zukunft bist, dann ist mir nicht bang“, antwortet Parwez gelassen.

 

Jeder hat seine Zeit

Said öffnet sich, erklärt ihm, dass er in der Vergangenheit leben wolle und von den Schwierigkeiten mit der Tante aber Parvez schüttelt den Kopf. „Die Zeit, in der ich lebe ist eine interessante Zeit, doch man kann nicht in der Vergangenheit leben. Geh zurück, mein Junge. Denn diese Zeit ist nicht Deine. Das Schicksal eines Menschen ist so veränderlich wie die des Landes. Fass Vertrauen in Deine Zeit und Dein Schicksal. Dann wird sich alles zum Guten wenden. “ Er drückt Said die Streichhölzer in die Hand. Wusch.

 

Neues Heim

Mit der Tante fährt Said am nächsten Tag nach Kabul. Der Großonkel ist alt, aber Said mag ihn sofort. Er erinnert ihn an Parvez. Der Onkel erklärt, dass der Junge sich in seinem neuen Zuhause umsehen könne. Said geht zunächst in den Laden. Unter der Theke entdeckt er ein Buch. Ein Geschichtsbuch über die 60ger Jahre. Sollte das dem Großonkel gehören? Das ist ein Zeichen! Said lauscht. Die Tante streitet mit dem Alten. Der Junge sei ein Taugenichts. Wie alle Männer in der Familie. Sie könnten nichts als Reden halten und ihre Nase in Bücher stecken.  Der Onkel schmunzelt. Das sei keine Beleidigung.  Der Junge sei wie sein Vater. Wie sein Großonkel. Und wie der Großvater. Parvez habe vom Leben auch mehr gewollt, als nur Arbeit und Geld verdienen. Parvez? Said stutzt. Noch ein Zeichen, ein glücklicher Zufall. Er macht ihm Mut.

 

Geständnisse

Said fasst sich ein Herz und erzählt die wundersame Geschichte der Streichhölzer. Natürlich glaubt die Tante kein Wort. Mohammed ist „Feuer und Flamme“. Er erinnert sich daran, dass sein Bruder als kleiner Junge eine rätselhafte Streichholzschachtel besessen hat mit der Aufschrift: „Ich bin das Licht der Erkenntnis.“

 

Das letzte Streichholz

Wusch. Noch einmal sehen sie den Großvater, den Bruder. Der ist überrascht und glücklich, dass er seinen Bruder als alten Mann und seinen Enkel kennen lernen darf. Allen fällt es schwer, Abschied zu nehmen. Diesmal für immer, denn es gibt nur noch ein Streichholz. Aber der Großvater tröstet Said. Er werde immer bei ihm sein, wenn er ihn brauche. Und Mohammed solle ihm alles erzählen über die damalige Zeit. Die guten Erfahrungen und Fehler könnten ein Kompass in der Gegenwart sein, der hoffentlich in eine bessere Zukunft führe. Saids persönliche und die des Landes.

 

Das Licht der Erkenntnis

Die Tante muss sich geschlagen geben. Möglicherweise würde doch noch etwas Anständiges werden aus Said“, mault sie. Der Onkel schlägt vor, dass Said die Schule im Dorf zu Ende macht und ihn öfter besucht. Wenn er will, kann er – so er noch lebt – beim Onkel in Kabul wohnen wenn er studiert. Und dann umarmen sie sich. Saids Hände betasten die Streichholzschachtel in seiner Tasche.  Im Geiste sieht er die Aufschrift. „Ich bin das Licht der Erkenntnis.“

 

Frühjahr 2011

Pakistan am Scheideweg

Waziristan ist eine abgeschiedene Region im Osten Pakistans. Dass sie in den Fokus der Weltöffentlichkeit rückt, hat sie einem wenig rühmlichen Umstand zu verdanken. Am 22. August (2011, Amerk. d. Autorin) wurde dort Atijatullah Abdel-Rahman, Al-Qaidas Nummer 2, von einer amerikanischen Drohne tödlich getroffen, vermelden amerikanische Regierungskreise. Wieder mal scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen, dass Pakistan ein getreulicher Partner für international gesuchte Terroristen ist. Gerade mal gut drei Monate nachdem Al-Qaidas Nr. 1, Usama bin Laden, im Land getötet wurde. Gefahrenherd Pakistan?Die Nachricht versetzt Sicherheitsexperten in Alarmbereitschaft: 180 Millionen Menschen leben in Pakistan, von denen gut zwei Drittel, 67 Prozent, Analphabeten sind.

In Pakistan scheinen sich Hiobsbotschaften aneinander zu reihen wie Perlen an einer Kette: Pakistan ist Nuklearmacht, hat einen besonders undurchschaubaren Geheimdienst. Und mit seiner fast mittelalterlichen Ordnung – einer bitterarmen Landbevölkerung und märchenhaft reichen Landbesitzern, die sich für alles aber nicht die Probleme Pakistans zu interessieren scheinen ist das Land zunehmend anfälliger für Islamismus.

Ein nahezu perfektes Schreckens-Szenario. Grund genug für den integrationspolitischen Sprecher der FDP, Serkan Tören, seinen aus Pakistan stammenden wissenschaftlichen Mitarbeiter Sarmad Hussain sowie die FDP nahe Friedrich-Naumann-Stiftung einen Pakistan-Gesprächskreis ins Leben zu rufen. Mit einem prominenten, pakistanischen Gast gleich bei der ersten Veranstaltung.

Ein General mit Botschaften

Vierzig Jahre lang hat Talat Masood im pakistanischen Militär gedient. Als Generalleutnant schied er 1991 aus, wurde Berater des Verteidigungsministeriums. Nun ist er ein Botschafter seines Landes in politischen, militärischen und nuklearen Fragen. In diesen Tagen erfordert das augenscheinlich diplomatisches Geschick. Wie tief die Gräben speziell zwischen Amerika und Pakistan sind, offenbart nämlich schon die Sprache. Terroristen wie die „Taliban“ oder das „Haqqani-Netzwerk“ bezeichnet Masood als „ Stammesvertreter“. Und erläutert, warum Islamabad nicht an einem Konflikt mit diesen Gruppen gelegen sei: „Für uns sind diejenigen wichtiger, die Pakistan zur Zielscheibe haben. Also nicht die afghanischen Taliban oder die afghanischen Aufständischen.“

Jede Predator-Drohne polarisiert ein Stück mehr

So eine Prioritätensetzung betrachtet die westliche Welt vorerst mit Stirnrunzeln. Während in Amerika und Deutschland der Tod von Terroristen wie Bin Laden oder Abdel Rahman mit Erleichterung, Genugtuung oder gar Freude zur Kenntnis genommen wird, lösen die Nachrichten in Pakistan bestenfalls gemischte Gefühle aus. Sogar bei Pakistanern, die sich strikt gegen jeden Terror aussprechen. Amerikas unbemannte Flugkörper untergraben nicht nur Pakistans staatliche Souveränität, was stolze Pakistaner aller Orten vor den Kopf stößt. Zudem ist ihr Einsatz durch kein Recht der Welt gedeckt.

Und sie sind bei weitem nicht treffsicher. Sprecher amerikanischer Think Tanks wie „Brookings Institution“ schätzen, dass für jeden getöteten Terroristen rund 10 unschuldige Pakistaner bei amerikanischen Drohnenangriffen sterben müssen. Das schüre den Anti-Amerikanismus im Land, erklärt Masood: „Ich denke, der besten Weg, Terrorismus zu bekämpfen, ist, die Unterstützung des pakistanischen Volkes zu gewinnen.“

Arbeitsplätze und Alphabetisierung als Anti-Terror-Strategie

Arbeitsplätze schaffen, Bildung, einen effektiven Geheimdienst, die Unterstützung des Volkes, unabhängige Medien – das wünscht sich Masood als umfassenden Anti-Terror-Ansatz. Einzig die Demokratie würde Politikern abverlangen, nicht am Volk vorbei zu entscheiden und sei deshalb die effektivste Regierungsform, folgert der General. Wer mag kann darin Kritik erkennen an der Führungselite Pakistans, die der Pakistan – Büroleiter der Friedrich Naumann-Stiftung, Olaf Kellerhoff, auf den Punkt bringt: Politische Führungsschwäche und ein Militär, das Gefahr läuft mit den Trend zu immer radikaleren Islam-Auslegungen wie dem Wahabismus von Islamisten unterwandert zu werden: „Neulich ist ein pakistanischer Journalist ermordet worden, der aufgedeckt hat Verbindungen zwischen Al-Qaida und dem Militär. Nicht, dass es Bestreben des Militär ist. Aber einzelne Militärangehörige arbeiten in diese Richtung.“

Respekt im Dialog

Trotz dieser Schwierigkeiten warnt Kellerhoff, Pakistan als so genannter Schukenstaat in Bausch in Bogen zu verdammen. Das Land und sein Volk brauchten in erster Linie Respekt, argumentiert er. Im Grunde gleichen bilaterale Beziehungen diesbezüglich einer Ehe: Auf Pauschalkritik reagiert der Kritisierte mit Trotz und Ablehnung. Respekt öffnet die Tür zum Dialog. Und den baucht Pakistan. Gerade jetzt. Mehr denn je.

Herbst 2011, in ähn licher Form für: Deutsche Welle

 

Die Afghanistan-Depression

„Die Wahrnehmung in Afghanistan ist, dass der Westen sich entschieden hat. Dass er in dem Konflikt nun seine Hände in Unschuld wäscht. Und sich nicht verpflichtet fühlt, die Taliban militärisch zu besiegen.“

Vali Nasr ist ein ebenso scharfäugiger wie scharfzüngiger politischer Beobachter.  Rückzugstendenzen hat er ausgemacht in der Beziehung Afghanistans und des Westens.  Der Professor für Internationale Politik an der Bostoner Tufts University und  Berater des ehemaligen UN – Sondergesandten für Pakistan und Afghanistan, Richard Holbrooke, war als Referent auf Einladung der Zeit – Stiftung in Hamburg. Und macht aus seiner derzeit pessimistischen Einschätzung der Situation keinen Hehl.

Rückzugstendenzen

Die Tötung Bin Ladens als möglicher Schlusspunkt  der „11. September-Politik“, Finanzkrise, arabischer Frühling – der Westen scheine sich lieber heute als morgen von Afghanistan abzuwenden, glaubt Nasr. Und die Afghanen? Die fühlten sich allein gelassen. Vor allem mit den Gewaltexessen der Taliban. Zwar betonen deutsche Militärs in diesem Sommer wieder und wieder, dass die Schlagkraft der Taliban nachgelassen habe. Was was die Qantität angeht mag das auch stimmen. Die qualitative Dimension der psychologischen Wirkung werde damit aber unterschätzt, entgegnet Nasr. Der Politologe führt als Beleg den Mordanschlag auf den Bruder von Präsident Karzai, Ahmed Vali Karzai, ins Feld:  „Das war auf der mentalen Ebene ein Volltreffer. Kann ja durchaus sein, dass es ein außergewöhnlicher Unfall war. Aber Afghanen gehen gewöhnlich vom Schlimmsten aus. Nämlich dass es ein gezielter Anschlag der Taliban war. Und das untergräbt ihr Vertrauen, es ohne die militärische Präsenz des Westens zu schaffen.“

„Enthauptung“ des politischen Systems

Die mittlerweile lange Liste von Anschlägen auf hohe afghanische Regierungs- und Sicherheitsverantwortliche sei auf vielen Ebenen verheerend, folgert  der 50jährige politische Beobachter: „Diese gezielten Tötungen sind „Enthauptungs – Kampagnen“ des gesamten politischen Systems. Und sie untergraben den Truppenabzug.“

Dessen Logik war bekanntlich immer die eines Staffellaufs: Der Westen übergibt dabei gewissermaßen den Stab der Verantwortung an die Afghanen.  Eben diese Vorstellung sei in den letzten Wochen erheblich ins Wanken geraten. „Wenn man afghanische Politiker reihenweise umbringt, wirft das die Frage auf, ob da überhaupt noch jemand bleibt, der für den Westen nachrückt“, folgert Vali Nasr trocken.
Die Säulen der Verantwortung tragen nichtDie Lösung des Dilemmas ist bekannt: Afghanistan braucht eine starke Regierung. Und ein funktionierendes Militär. Ironischerweise funktioniere in einem Land, das kaum je eine Zentralregierung hatte und nie eine Armee weder das eine noch das andere, sagt Nasr. Schon gar nicht mit der zeitlichen Limitierung „2014“, die sich Politik und Militärs gesetzt hätten.

Zweckpessimismus als Weckruf?


Die Schwarzmalerei des Politik-Kenners könnte aber auch strategische Gründe haben. Möglicherweise möchte er politisch Verantwortliche wachzurütteln vor der Bonner Afghanistan-Konferenz. Denn Nasrs Fazit lautet, dass der Westen sich nicht aus der Verantwortung stehlen und das Land sich selbst überlassen könne. Dafür sei die Lange zu explosiv.  „Wenn das nicht ordentlich aufbereitet wird – das sollte eigentlich, aber… Also falls das nicht ordentlich aufbereitet wird, wird das Konsequenzen haben.“

in ähnlicher Fassung für Deutsche Welle, August 2011

Vielfalt im Lehrerzimmer

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Jugendliche ohne Schulabschluss bekommen selten einen Ausbildungsplatz. Besonders Ausländer, aber auch Jugendliche mit Migrationshintergrund und deutsche aus so genannten „bildungsfernen Familien“ gelten dann als „schwer vermittelbar“. Doch das Abschieben aufs soziale Abstellgleis verursacht Kosten.

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Macho, Migrant, Bildungsverlierer?

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Jungen gelten als „Verlierer“ im deutschen Bildungssystem. Im Schnitt sind ihre Noten schlechter als die der Mädchen. Sie schaffen seltener einen Abschluss. Innerhalb der „Problemgruppe Jungen“ gelten männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund als besonders schwierige Fälle.

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Der Karikaturenstreit als journalistisches Lehrstück

Vor rund einem Jahr fasste Flemming Rose von der dänischen Zeitung „Jyllandsposten“ einen folgenreichen Entschluss. Er ließ 12 Mohammed Karikaturen veröffentlichten. Was dann passierte, schien ein Beleg für Huntingtons These vom „Kampf der Kulturen“ zu sein: Brennende Botschaften, hitzige Debatten um Religions- und Meinungsfreiheit. Nun stand der Redakteur jungen Journalisten aus 22 Ländern Rede und Antwort, die sich derzeit auf Einladung von „Inwent“, einer Entwicklungsorganisation, in Hamburg weiterbilden.

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