Archiv: WDR

Schutz für Saida – im afghanischen Frauenhaus

      

Fälle von Gewalt gegen Frauen in Afghanistan schockieren regelmäßig die Weltöffentlichkeit. Doch es verändert sich etwas, wie das Frauenhaus in Mazar – i – Scharif beweist. Es bietet Opfern familiärer Gewalt Zuflucht und Zeit für einen Neuanfang. Atmo Straßenatmo, langsam runterziehen

Autorin: Ein Grundstück, ein Tor, ein Wachmann. Nichts deutet darauf hin, was sich hinter den Mauern verbirgt: Afghanistans erstes Frauenhaus. Diskretion ist Programm: Man will vermitteln, nicht provozieren. Und den Bewohnerinnen den Schutzraum bieten, den sie so dringend brauchen. Atmo Garten, leise Stimmen

Autorin: Ein Garten, das Haus, ein Treppenaufgang. Von der Präsenz der Bewohnerinnen erzählen ein paar Schuhe an der Tür. Es gibt sorgfältig nebeneinander abgestellte Sandalen. Ebenso wie scheinbar achtlos abgestreifte Plastiklatschen, die kreuz und quer auf den Stufen stehen. Die Vielfalt verrät etwas über ihre Trägerinnen und die Frauen Afghanistans im allgemeinen.  Burka, Kopftuch oder lange Kleider mögen verschleiern und uniformieren. Individualität und Persönlichkeit aber leben darunter weiter. Atmo Ende

Autorin: Gleich hinter der Eingangstür gibt es eine Art Salon. Mit der Sitzgruppe darin dient er offenbar auch als Besucherzimmer. Die Dolmetscherin kommt herein, zusammen  mit einer kaum 1.60 Meter großen Frau. Schwarzes, fließendes Gewand, schwarzes Kopftuch. Die Gestalt schließt die Tür. Das Gesicht abgewandt erinnert sie an einen Schatten. So gleicht sie mancher Frau, die sich durch Afghanistans Städte bewegt. Ein scheinbar geschlechtsloses Wesen. Speziell Frauen ohne Begleitung scheinen mehr zu huschen, als zu gehen. Ein Leben in ständiger Deckung. Sie vermeiden Blickkontakt, ziehen den Rand ihres Kopftuchs über das Gesicht, wenn sie sich beobachtet fühlen. Oder tragen eine Burka, die sie völlig verhüllt. Der Gesichtsschleier mit den kästchenförmigen Gucklöchern scheint die Fertigkeit der Trägerinnen zu perfektionieren, sich unsichtbar zu machen. Im Gegensatz dazu sind die Bewegungen der schwarz gekleideten Gestalt im Frauenhaus ausdrucksvoll, gar ausladend. Als sie sitzt ergänzt ein fester Blick aus forschenden Augen das Bild afghanischer Schattenfrauen um eine neue Facette von Weiblichkeit. Mut, Kraft und Selbstbewusstsein enthüllen sich ganz überraschend und unerwartet an einem Ort, der Opfern vorbehalten ist. Ausgerechnet hier ungebrochener Stolz: Saida erzählt, kräftige Stimme, kurz frei stehen lassen, dann unterziehen.

Autorin: Sie heiße Saida stellt sie sich vor. Ob das ihr wahrer Name ist bleibt ihr Geheimnis. Sicher ist, dass sie zu den Kuchi gehört, einem paschtunischen Nomadenstamm, zu dem in Afghanistan rund 5 Millionen Menschen zählen. Während des Krieges wären sie immer eigene Wege gegangen, heißt es und: Die Kuchi besäßen eine unbändige Freiheitsliebe. Das scheint sich auch in den Genen der weiblichen Stammesangehörigen bemerkbar zu machen. Kräftige Augenbrauen betonen das kantige Gesicht. In den Augen flackert ein unbändiger Blick, unterstrichen von einem Schlangenförmigen Tatoo auf der Nasenwurzel. Zwar liegen die kräftigen Hände beim Sprechen ruhig im Schoß. Doch verraten die Schwielen auf den Handflächen, dass diese Frau zupacken kann. Eine Robustheit, die sich nicht nur körperlich niederschlägt. Vor zwei Jahren haben ihre Eltern einen Heiratskandidaten ausgesucht und den Termin für die Hochzeit festgesetzt. Der Tochter schmeckte das nicht. Mit schier unglaublichem Mut, gemessen an afghanischen Wertmassstäben aber mit Aufsässigkeit und Respektlosigkeit hat sie sich dem Willen der Familienangehörigen widersetzt:

„Ohne mir etwas zu sagen oder mich nach meiner Zustimmung zu fragen hat meine Familie mich verlobt. Mit einem Mann, den ich bis dahin nie gesehen hatte. Darum bin ich weggelaufen aus dem Haus meiner Eltern. Mit einem Mann. Und wir haben geheiratet. Das beweist unsere Heiratsurkunde.“

Autorin: Das amtliche Dokument gibt dem Ehepaar zwar einen gewissen Schutz, weil es die Rechtmäßigkeit der Beziehung belegt. Zudem schreibt die afghanische Verfassung die Gleichberechtigung von Frauen und Männern vor, was Golandams Entscheidung zumindest theoretisch untermauert. Doch im afghanischen Alltag garantiert das keine individuelle, freie Partnerwahl. Zumal die Eltern sie ja vorher mit einem anderen verlobt haben. Dass sie den nicht wollte, zählt nichts. Wie nahezu in zwei Dritteln aller Länder des Erdballs  werden Ehen auch in Afghanistan üblicherweise von den Eltern arrangiert. Zwar berücksichtigen viele mehr oder minder das Votum ihrer Kinder. Doch im Streitfall haben die Stimmen der Heiratskandidaten kaum Gewicht. So erweist sich der Elternwille als wahres Gesetz, zumal der Einfluss der schwachen Staatsorgane häufig schon in der Hauptstadt endet. Bis in die unzugänglichen Bergregionen reicht er so gut wie nie. Dass auf dem Land vier von fünf Frauen weder lesen noch schreiben können, verstärkt ihre Hilflosigkeit. Auch Golandam ist Analphabetin. Der Kuchi und dem Ehemann ihrer Wahl bleibt schließlich nur die Flucht. Sie erweist sich als sinnlos, als das Paar in Kabul von der Polizei aufgegriffen wird:

„Die Polizisten brachten mich und meinen Mann ins Gefängnis. Sie sagten, mein Bruder habe mich angezeigt. Weil ich verlobt war als ich von zu Hause fortlief mit einem anderen Mann. Das verstoße gegen islamisches Recht. Ich hätte die Verlobung lösen müssen, bevor ich einen anderen heirate. Deshalb wurde ich ich für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt.“

Autorin: Danach beginnt erneut der Alptraum für Saida, die nur schätzten kann, dass sie zwischen 20 und 24 Jahre alt ist. Noch immer beharren die Eltern auf einer Heirat mit dem Mann ihrer Wahl. Vor allem ihr Bruder fühlt sich in seiner männlichen Ehre gekränkt, bedroht die Schwester, versucht regionale Gerichte von der Unrechtmäßigkeit der Eheschließung zu überzeugen, angeblich fließen Bestechungsgelder. Golandam bricht daraufhin den Kontakt zu ihren Ehemann zwar nicht ganz ab, zieht jedoch ins Frauenhaus in Mazar. Hinter der unscheinbaren Fassade gibt es bis zu 30 Schlafplätze, eine Ärztin und zwei Sozialarbeiterinnen für die psychosoziale Betreuung. Und als Rechtsberaterin die Anwältin Mariam Masoodi Payman.

„Sobald wir solche Fälle im Frauenhaus haben versuchen wir zunächst mal alles, um zwischen den Familienangehörigen zu vermitteln. Sehr viele Fälle habe ich ohne Gerichte gelöst. Und wenn es so ausgeht, können die Frauen nach Hause, um ein besseres Leben zu haben.“

Autorin: Das Konzept, eine auf Vermittlung basierende Konfliktlösung, sprich: Mediation ist das Resultat einer deutsch – afghanischen Kooperation. Vor drei Jahren haben sich Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes DED mit dem „Cooperation Center for Afghanistan“, CCA, zusammengetan. Dabei lautet die gemeinsame Philosophie, dass ein Frieden in Afghanistan möglich wird, wenn er in afghanischen Familien beginnt. Darum stehen die Rechte der Frauen im Mittelpunkt – auch für den afghanischen Partner CCA. Die Menschenrechtsorganisation wurde 1990 von afghanischen Intellektuellen während der Schreckensherrschaft der Taliban gegründet. Zuvor hatten die Mitglieder festgestellt, dass sowohl der Krieg als auch die archaischen Traditionen des Landes vor allem die Schwachen auf ein Opferdasein reduziert: Kinder und Frauen. CCA wollte die schrecklichsten Fälle publik machen, erklärt der Direktor, Hamid Safwat:

„Wir hatten jede Menge Bespiele dafür, dass Frauen von ihren Familien im Namen der Traditionen getötet worden waren. War beispielsweise eine Frau vergewaltigt worden, dann wollte die Familie um jeden Preis verhindern, dass das bekannt wurde. Einige haben die Töchter umgebracht, nur damit sie nichts erzählen können. Deswegen haben wir das „Safehouse“ eröffnet. Damit wir solche Frauen unterstützen können.“

Autorin: Zu denen, die Unterstützung benötigen, zählt auch Golandam. Eine Einigung mit ihrer Familie scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Die Rechtsberaterin Mariam Payman erklärt die nächsten Schritte: Gibt es keine Einigung, dann geht der Fall vors Gericht. Die Frauen bekommen einen Rechtsbeistand, der für sie spricht. Denn viele sind Analphabeten, kennen ihre Rechte nicht und wissen nicht, was sie tun sollen, weil sie die prozessualen Abläufe nicht kennen.“

Autorin: Rund 700 Frauen und Familien hat die deutsch -afghanische Mitarbeitercrew über die Jahre in Mazar-i-Scharif beraten, 260 wohnten vorübergehend im Frauenhaus. Gleichzeitig sind im Seminarraum im Keller 120 Afghanen und Afghaninnen in gewaltfreier Konfliktbearbeitung ausgebildet worden. Bei allem Veränderungswillen müssen die Trainer allerdings im Blick behalten, dass Gewalt, auch Mord, in weiten Teil Afghanistans immer noch als Privatangelegenheit gilt. Häufiger als Terrorismus, Taliban oder überkommene Traditionen  bedrohen Naturkatastrophen, Krankheiten, Hunger, Unterernährung die Menschen, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei Anfang 40. Schutz bietet allein die Gemeinschaft.

Und deren Verhaltenskodex formen Männer seit Jahrtausenden. In diesem Gefüge zählen Frauen schlicht zum Besitzstand. Noch immer ist die Müttersterblichkeit erschreckend hoch. Die Zeiten zwischen den Schwangerschaften sind zu kurz. Und vielen Frauen werde der Besuch eines der überfüllten Krankenhäuser von ihren Männern oder Familien verboten, erzählt eine Ärztin aus Mazar-i-Scharif. Ein weiterer Grund sei, dass Mädchen zu jung verheiratet und von ihren Ehemännern zum sexuellen Verkehr gezwungen würden. Sie sterben an den Folgen ihrer biologisch verfrühten Schwangerschaft. Und doch haben sich die Lebensumstände vieler Afghaninnen verbessert, unter anderem mit Hilfe von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit wie dem Frauenhaus.

Mit gut 130.000 Euro finanziert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die laufenden Kosten des Jahres. So werden Gewalttaten an afghanischen Frauen zwar auch in Zukunft nicht komplett zu verhindern sein. Das Umdenken braucht Zeit.  Doch ein Anfang ist gemacht  – offenbar auch bei einigen afghanischen Behördenvertretern. Selbst in Golandams Fall ist die Rechtsberaterin optimistisch. Die ersten beiden Verfahren sind gewonnen, demnächst steht der entscheidende Prozess vor dem obersten Gerichtshof in Kabul an. Das „Safe House“ habe einen guten Namen und bislang fast jeden Fall gewonnen, versichert Mariam Payman. Auch Saida traut sich wieder, von einer besseren Zukunft zu träumen:

„Das schlimmste wäre gewesen, wenn CCA mir nicht geholfen hätten und das Safehouse nicht mein Leben geschützt hätte. Wenn ich nicht hier gewesen wäre hätte mein Bruder mich wohl getötet. Jetzt ist der größte Wunsch den ich habe, dass mein Fall vor Gericht geklärt wird. Dass ich meine Freiheit bekomme und ein unabhängiges Leben führen kann. Zusammen mit meinem Ehemann.“ O-Ton Golandam steht kurz frei, (endet mit einem Lachen)

September 2010, in geänderter Form gesendet auf WDR

Operation Fortschritt – das afghanische Gesundheitssystem

      

Erfolgsgeschichten aus Afghanistan sind selten. Der militärische Einsatz greift nicht so, wie die internationale Gemeinschaft gehofft hat. Auch der zivile Aufbau verläuft stellenweise schleppend. Eine Ausnahme ist der Aufbau des Gesundheitssystems. In einem sieben Punkte Programm hat die afghanische Regierung Ziele festgelegt, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen oder umgesetzt sind. Dabei unterstützen staatliche und Nicht-Regierungs- Organisationen aus Deutschland in den Nordprovinzen.

Auf dem Gelände des Krankenhauses in Mazar-i-Scharif schuften rund 30 behelmte Arbeiter in brütender Hitze auf einer Baustelle. Im kommenden Jahr soll der Wiederaufbau des Provinzkrankenhauses abgeschlossen sein. Auf den Projektträger weist ein Schild hin: die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Für 12 Millionen Euro wird ein neues Gebäude mit 360 Betten, 21 Intensivstationen und 7 Operationssälen entstehen. Ein Hoffnungsschimmer für die Ärztecrew. Seit vor vier Jahren ein Kurzschluss einen Brand ausgelöst und das 60 Jahre alte Gebäude fast komplett zerstört hat, arbeiten die rund 200 Ärztinnen und Ärzte unter schier unglaublichen Bedingungen. Ransin Anwari, der Leiter des Krankenhauses beschreibt die Situation in typisch afghanischem Unterstatement für miese Zustände:

"Es ist deutlich, dass wir derzeit keinen Platz haben. Was wir am nötigsten brauchen sind mehr Räume – und mehr Platz."

Mit gut einer Millionen Euro hat die deutsche Regierung unmittelbar nach dem Brand ein provisorisches Container – Krankenhaus finanziert. Das ist besser als nichts. Auf Dauer dennoch unzulänglich: Das Blech heizt sich im Sommer gnadenlos auf, im Winter Eiseskälte. Im Cocktail unangenehmer Gerüche ist der von Chemikalien noch am leichtesten zu ertragen.

Nicht selten teilen sich Kranke zu viert oder fünft ein Bett. Dennoch sind die Patienten dankbar. Das Provinzkrankenhaus ist Anlaufstelle für rund 350.000 Einwohner der Stadt und sechs Millionen Überweisungspatienten aus der umliegenden Region. Ein Ausweichen auf andere Kliniken ist kaum möglich, erklärt der ehemalige Direktor der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Afghanistan, Michael Gruber:

"Das nächste vergleichbare Krankenhaus liegt in der Hauptstadt Kabul, das sind ungefähr 430 Kilometer, die allerdings über den Salangpass auf 3000 Meter Höhe führen. Fliegen ist für viele zu teuer. Fahren dauert sehr lang, ist also im Notfall keine Option. Und fahren kann auch Tage oder Wochen dauern, wenn im Winter die Straße gesperrt ist aufgrund von Lawinen oder Schneefall oder einem Unfall. Das heißt, das Krankenhaus ist nicht nur ein Krankenhaus für die Stadt Mazar-i-Scharif, es ist nicht nur ein Krankenhaus für die Provinz Balkh, es ist quasi ein Krankenhaus für Nordafghanistan."

Gleichzeitig ist die Klinik Ausbildungsstätte für medizinisches Personal. Zwar gibt es in Mazar-i-Scharif und anderen Städten ausreichend Ärzte. Nicht aber in den Provinzen. Dazu fehlen Spezialisten: Orthopäden oder Kinderärzte, gleiches gilt für Hebammen. In Afghanistan, einem der ärmsten Länder der Welt, stirbt der Statistik nach jedes vierte Kind vor Erreichen des fünften Lebensjahrs und etwa jede vierte werdende Mutter. Ein Dolmetscher übersetzt die Erklärungen der Chefärztin:

"In den Familien entscheiden meist die Männer. Manchmal verbieten sie den Frauen, eine Gesundheitsstation zu besuchen, um eine vernünftige Untersuchung und Behandlung zu bekommen. Junge Mädchen werden vor dem Zeitpunkt ihrer biologischen Reife verheiratet – das ist ein weiterer Risikofaktor, der zu einer hohen Sterblichkeitsrate führt. Und Armut. Viele Familien, die kein nennenswertes Einkommen haben, können Behandlungen nicht bezahlen oder leben in abgelegenen Gegenden, schlechte Straßen, kein Auto, keine Möglichkeit, eine Gesundheitsstation zu erreichen.

Abdul Gudeev hatte Glück im Unglück. Der Zehnjährige stammt aus einem kleinen Dorf in der Nachbarprovinz Badakhschan, sieben Autostunden von der Provinzhauptstadt Faizabad entfernt. Ein Lastwagen hat ihn und seinen Vater mitgenommen, in der Krankenstation des deutschen Vereins Kinderberg abgeliefert.

"Ich bin aus der Schule gekommen, mit einem Esel zusammen gestoßen und hingefallen – so ist es passiert", erzählt der Zehnjährige.

Vor zwei Wochen ist er im Rettungszentrum des benachbarten Wiederaufbauteams der Bundeswehr operiert worden, die Krankenstation von Kinderberg hat die Nachsorge übernommen. Der Junge ist ein eher untypischer Patient. Eigentlich werden in der Krankenstation mit 25 Betten vor allem unterernährte Kleinkinder und werdende Mütter behandelt. So trägt der Verein zur Umsetzung des staatlichen Gesundheitsplans bei, zu dessen Priorität die Verringerung der Kinder- und Müttersterblichkeit zählt. Abdul Gadeev liegt im Zimmer mit sechs Männern zusammen, darunter auch sein Vater. Pro Patient werden ein bis zwei Verwandte aufgenommen, erklärt der Dolmetscher:

"Der Patent kann hier übernachten. Aber auch seine Familienangehörigen.Das sind arme Leute. Wenn die herkommen, haben sie kein Geld, um auf dem Bazar einkaufen zu gehen oder im Restaurant zu essen. Wenn sie in die Krankenstation kommen, wird ihnen alles zur Verfügung gestellt: Die Übernachtung, das Essen."

Vor der Krankenstation sitzen stolz aussehende Männer mit Turbanen auf einer Mauer entlang der Straße. Es sind Familienangehörige der Patienten, die geduldig auf deren Genesung warten.  Ein Bild, das Symbolwert besitzt. Immerhin 80 Prozent der afghanischen Bevölkerung hat mittlerweile Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung – in einem Krankenhaus, einer Gesundheitsstation. Weitere Besserung ist in Sicht – und wie die Genesung eines Patienten kommt sie meist nicht über Nacht, sondern in kleinen Schritten.

 September 2010, in geänderter Form gesendet auf NDR, WDR

 

 

 

Archiv