Zum Inhalt springen

Wortwechsel

WORTWECHSEL

Auf dieser Seite veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen Beispiele bemerkenswerter Kommunikation. Manchmal enthüllt sich die tiefere Bedeutung erst beim Nachlesen bzw. mit zeitlicher Distanz. Keine Antwort ist auch eine. Feinschliff-Rhetorik kaschiert Haltungsschäden nicht dauerhaft.

16.02.2020

Haben wir Kriterien, entlang deren Braun nicht länger ins bunte Bild passt? Die Differenz am Kriterium Pro/Anti-Demokratie aufzumachen, ist insofern problematisch, als das es zunächst nur ein formales Kriterium ist und beispielsweise der gesellschaftliche Unterbau der Rechtsregierungen in Polen und Ungarn auf eine zählbare und bei Wahlen einzulösende (relative) Mehrheit in der Bevölkerung verweisen kann.

Das treffendere Kriterium ist unserer Meinung nach die noch näher zu bestimmende Zivilität einer Zivilgesellschaft (…).

Albert Evers, Universität Heidelberg und Claus Leggewie, Universität Gießen

14.02.2020

„Einen Menschen a priori nicht als Einzelnen, als Person, sondern generell und vornehmlich als Deutschen, Neger, Juden, Fremden, Emigranten (…) zu behandeln, ohne dass man schon die Erfahrung hätte, er verdiene nicht, für sich selbst zu gelten, ist barbarisch.“

Max Horkheimer, Prof. für Soziologie in Frankfurt a.M., 1961 in einem Beitrag für die NDR-Sendereihe „Portraits zur deutsch-jüdischen Geistesgeschichte.“

12.02.2020

Die junge Generation soll sich äußern zu ihrer Zukunft, auch ich habe mich in Jugendorganisationen zu meiner Zukunft geäußert. Allein mit Personenkult und Hype lösen wir aber kein Problem.

Andreas Scheuer im Artikel der FAZ „Ich bin für Freiheit der Mobilität ohne unnütze Verbote“, 09.02.2020

11.02.2020

Wer, wie dies die Extremisten tun, die Feinderklärung in die Demokratie trägt, wer dem Volk das „Anti-Volk“ als Feind gegenüber stellt, wer die Verantwortung vor der Geschichte leugnet, wer sich über das Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus lustig macht, wer Menschen aus dem Land jagen will, weil sie ihm nicht deutsch genug sind, wer von sich behauptet, er habe das Monopol der authentischen Repräsentation, wer Grundrechte und Grundwerte aushebeln will – der ist ein Feind der Demokratie. Man soll, man darf ihn nicht zum Populisten verharmlosen.

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, in dem Artikel: „Die Selbstvergiftung der Demokratie“, 09.02.2020

08.02.2020

„Wenn es der Sache dienlich ist, muss man auch mit diesen Leuten (AfD, Anm. UH) reden“. Durch Ausgrenzen dieser Strömung zerstöre man die konservative Mehrheit im Landtag.

zitiert die „Zeit“ am 03.02.2020 Christoph Kindervater, den parteilosen AfD-Ministerpräsidenten-Kandidaten für Thüringen

Christoph Kindervater wurde wenig später selbst zum Ausgegrenzten. Die AfD gönnte ihrem Kandidaten keine Stimme, um sattdessen Thomas Kemmerich, FDP, zu wählen und einen politischen Coup zu landen.

Und Kindervater?

07.02.2020

„Ich hätte ihn (Kemmerich, Anm. UH) auch gewählt, weil ich der Meinung bin, dass ein FDP Ministerpräsident zunächst mal besser ist als einer von der umbenannten SED.“

Alexander Mitsch, Bundesvorsitzender der WerteUnion, DlF

„Die Hoffnung, die aus meiner Sicht Thomas Kemmerich hatte, war, dass er mit den Stimmen der AfD am Ende eine Politik machen kann, die gegen die AfD gerichtet ist.“

Ria Schröder, Vorsitzende Junge Liberale, DLF

Der Unterschied zwischen Strategie und Schizophrenie beträgt in diesem Kontext nur noch wenige Buchstaben.

05.02.2020

Scrennshot der Website des neuen thüringischen Ministerpräsidenten

04.02.2020

WDR Intendant Tom Buhrow im Gespräch mit Christoph Sterz, Medias Res, DLF

Sterz: Wenn jetzt der WDR tatsächlich ein Nachbar ist, so wie sie das ja eben beschrieben haben, dann ist es natürlich auch hilfreich (…) ins Gespräch zu kommen. Also mit den Rundfunk-beitragszahlern und mit den Bürgerinnen und Bürgern. Jetzt schreibt die Süddeutsche Zeitung heute, dass sie zur unfallfreien Kommunikation Berater engagiert haben für zwei Jahre, und zwar laut Ausschreibung für insgesamt 580.000 Euro. Und dann kommt noch dazu, dass ihr eigenes Kommunikationsteam deutlich größer ist als das von ihrem Vorgänger im ARD Vorsitz. Ist da also bisher zu schlecht und zu wenig kommuniziert worden mit den Nachbarn?

Buhrow: Nein, überhaupt nicht. Und ich finde es auch nicht gut, wenn man die (ARD – Anmerk. UH) Vorsitze – das ist ja eine Verantwortung, die man auf Zeit hat – gegeneinander ausspielt oder gegeneinander in Stellung bringt. Jedes Jahr und jede Herausforderung ist unterschiedlich. Wir haben das Beitragsjahr, das heißt das, was sie bekommen als freier Mitarbeiter, das, was ihre festangestellten Kolleginnen und Kollegen bekommen, das, was für unsere Programme an Finanzen zur Verfügung gestellt wird, das wird alle vier Jahre entschieden. Das ist ein sehr komplizierter und auch sehr umstrittener Prozess. Und der ist genau in diesem Jahr. Und da wir seit der Umstellung auf das Beitragsmodell, also auf das Modell „Pro Haushalt wird bezahlt“ überhaupt keine Erhöhung mehr hatten, sondern im Prinzip seit elf Jahren nur einmal abgesenkt hatten, den Beitrag, ist das etwas, was sehr, sehr erklärungsbedürftig ist bei den Menschen. Und da müssen wir eine besondere Kraftanstrengung machen.

Aha. Das bedeutet: Wenn das Kommunikationsteam mit den Aus….äh Aufgaben wächst, kann mit besonderer Kraftanstrengung jede Entscheidung gerechtfertigt werden – und sei sie noch so fragwürdig.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.